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1788–1866

58.

Friedrich Rückert

Zwei, die sich lieben, sind einander so unähnlich, Daß der Verstand nicht weiß, was sie bewegt so sehnlich, Und endlich meint, daß von Unähnlichkeit getrieben Sie sey'n, einander zur Verähnlichung zu lieben.

Allein mit Künstlerblick, mit liebesfähigem Auge, Sieh recht die beiden an, und ihre Seelen sauge; So siehst du aus der Züg' Unähnlichkeiten steigen Geistige Aehnlichkeit, wie Blütenduft sich zeigen;

Der, wenn Einbildungskraft ihn walten und entfalten Sich läßt, die Beiden wird zu Einem umgestalten. Wenn ich ein Maler wär', und hätt' ein Lieb ein feines, Ich malt' uns ohne Zwang als zwei zugleich und eines.

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58. · Friedrich Rückert · Poetry Cove