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1788–1866

50.

Friedrich Rückert

Von Strömen täglich trägt und stündlich welch ein Heer Dem Meer süß Wasser zu, doch bitter bleibt das Meer. So täglich, stündlich bringt von Weisheit auch genug Zur Welt der Weisen Zunft, doch wird die Welt nicht klug.

Doch ließen dieses sich die Weisen wol verdrießen, Da unverdrossen stets ins Meer die Ströme fließen? Da nie in ihrem Lauf die Ströme sich verbittern, Wie sollten Weise sich im ihrigen erbittern?

Die Ströme süßen nie das Meer, doch ziehen sie Aus ihm ihr Süßes selbst, und wissen selbst nicht wie, Ob unterirdisch aufgedampft und ausgebraut, Ob überirdisch abgeklärt und angethaut;

Des Meeres bittre Flut wird süße Quelle wieder, Und billig strömt der Quell darum zum Meere nieder.

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50. · Friedrich Rückert · Poetry Cove