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1788–1866

49.

Friedrich Rückert

Im goldnen Alter, da ein Paradies hienieden, Und ew'ger Frühling war darin und ew'ger Frieden — Die junge Knospe ward genagt von keinem Wurm, Und ihre volle Kron' entblätterte kein Sturm.

Noch nicht gebunden war an Arbeit der Genuß, Und nicht der Freude nach schlich heimlich Ueberdruß. In Trauben war kein Rausch, noch an der Lieb' ein Dorn, Im Auge keine Thrän', und in der Brust kein Zorn.

Da hatte Echo's Ohr noch keine Klag' empfangen, Und spiegeln sah der See nur Lächeln auf den Wangen. Am Himmel Sonn' und Thau, nicht Wolk' und Ungewitter, Nicht giftig war die Schlang' und Wermuth noch nicht bitter.

Da mußten Vögel noch nicht wandern um zu brüten, Und Bäume für die Frucht nicht opfern ihre Blüten. Nicht Neid noch Eifersucht, nicht Haß noch Zwietracht fand In einem Herzen Raum, das sich voll Glück empfand.

Sie waren alle gleich, und sahn mit Wohlgefallen In fremdem Glück ihr Bild, und liebten sich in allen. Um Güter war kein Streit, sie waren allgemein, Nicht Ich und Du entzweit, und gleichviel Mein und Dein.

In sich verständlich klar, empfunden, nicht erdacht, Im Liebestausch von Welt und Sinn hervorgebracht, Verständnis ihrer selbst, Verständnis der Natur, War ihrer Sprache Schall, ein Loblied Gottes nur.

So war ihr Leben, doch ihr Tod war schöner noch, Durch den die Blüt' am Baum des Lebens aufgieng hoch. Von höherm Daseyn nicht ein mattes dunkles Ahnen, Es waren klar geschaut lichtaufgethane Bahnen;

Kein Schweben zwischen Furcht und Glauben, Wahn und Hoffen, Die sel'ge Zukunft lag dem Geist zum Eintritt offen.

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