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1788–1866

38.

Friedrich Rückert

Der ist der schlechteste des menschlichen Geschlechtes, Wer selbst nichts rechtes weiß, noch lernen will was rechtes. Wer ist der beste? der hervor das Gute bringt Aus eigner Kraft, und nicht von außen es erringt.

Doch ist zu loben, wer, was er nicht selbst vermag Zu tragen, das erwirbt von fremdem Fruchtertrag. Es steht ein Baum im Wald und trägt die eigne Frucht, Die so ihm gnügt, daß er nach keiner fremden sucht.

Daneben steht ein Baum, der ist nicht eigenfrüchtig; Der reiche Nachbar macht den armen eifersüchtig. Soll er die Frucht von ihm zu sich herüber nehmen? Wenn ers auch könnte, müßt' er sich des Diebstals schämen.

Die Glut der Eifersucht brennt ihm sein Innres hol, Und desto minder trägt er aus sich Frucht nun wol. Seht, wie zu nutzen er den Schaden selber weiß, Er lädt in seine Kluft des Bienenschwarmes Fleiß.

Sein Innres räumet er zur Wohnung willig ihnen, Und freudig lohnen's ihm die arbeitsamen Bienen. Sie tragen Honig her, und nicht vom Nachbar nur, Sie tragen rings ihn bei aus Berg und Wald und Flur.

Des goldnen Seimes voll wird jeder leere Raum, Und immer fruchtbar ist der unfruchtbare Baum.

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