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1788–1866

37.

Friedrich Rückert

Wer hier die Nachbarn hat, die stets mit ihm zufrieden Gewesen sind, dem ist ein Platz bei Gott beschieden. Wer hier nicht Frieden kann mit seinen Nachbarn halten, Den nimmt man dort nicht auf, wo ew'ge Frieden walten.

Wer Zwietracht zwischen dir und deinem Nachbar stiftet, Hat zwischen euch den Brunn, den beid' ihr trinkt, vergiftet. Wer dich nicht kränkt, ist drum kein guter Nachbar noch; Der ist es, der, von dir gekränkt, es bleibet doch.

Die Ueberlieferung sagt: Wer sinnet aufs Verderben Des Nachbars, dessen Haus läßt Gott den Nachbar erben. Es heißt auch im Gebet: Bewahr' uns Gott in Gnaden Vor Nachbars Aug' und Ohr an Thor und Fensterladen.

Er sieht dir durch die Wand bis in des Hauses Mitte, Und aus- und eingehn sieht er deine Tritt' und Schritte. Das Gute das er sieht, das macht das Herz ihm wund, Und was er Böses sieht, macht er den Leuten kund.

Ein leider Nachbar ist ein Leid, dem du nie fliehst, Das leider jeden Tag du durch dein Fenster siehst. Was hilft es, magst du Kraut in deinem Garten baun, Wenn dir der Nachbar wirft sein Unkraut übern Zaun.

Warum verkaufest du dein Haus? fragt man den Mann. Weil ich den Nachbar nicht, sprach er, verkaufen kann.

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