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1788–1866

35.

Friedrich Rückert

Du hast auf stein'ger Höh mit Müh gepflanzt den Garten, Und noch mühsamer ist der Wässerung zu warten. Ich wünschte dir dazu solch einen Quell verliehn, Wie der von dem ich las, selbst sah ich niemals ihn;

Der so willfährig ist, wie alle Elemente Dem Menschen wären, wenn er erst den Zauber kennte. Der fließt aus einer Schlucht, doch fließt nur wenn man will; Und wenn man es befiehlt, so steht er wieder still.

Wer von den Nachbarn nun will seinen Garten wässern, Der geht zum Quell hin nicht mit Näpfen oder Fässern. Er geht nur hin und ruft laut in die Felsenschlucht: Ich brauche Wasser, Quell! und nimmt sogleich die Flucht.

Alsbald kommt auf den Fuß die Flut ihm nachgeflossen, Und hat aufs Gartenland befruchtend sich ergossen. Und wenn hinreichend nun scheint die Bewässerung, So gehst du hin zur Schlucht und rufst: Es ist genung!

Und stampfest mit dem Fuß dreimal. Auf dieses Zeichen Alsbald siehst du die Flut zurück zum Quelle weichen. Er sammelt wieder die entsandten Wasserschlangen, Und hält im Schooß sie bis auf weiteres gefangen.

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