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1788–1866

28.

Friedrich Rückert

Durch den allein ich mit der Welt zusammenhänge, Seitdem ich nebenaus mich stellte vom Gedränge! Du bringst, o Freund, die Welt mir her von Zeit zu Zeit, Ich merkte sonst sie nicht in meiner Einsamkeit.

Du bringest von der Welt die Kunden mir getreulich, Doch weniges dem Sinn, nichts dem Gemüth erfreulich. Nichts hör' ich von der Welt, was mich verlocken kann, Neu auf das Meer zu gehn, da ich zum Port entrann.

Ich sehe trüb', und muß mir leider es gestehn: Das Alter ist es nicht, was mich macht trübe sehn. Ein unzufriedenes Geschlecht mit Zorngeberden Will ändern seine Welt, und selbst nicht anders werden.

Wo nicht ein äußrer tobt, ein innerlicher Kampf, Wird selbst des Lebens Lustgeberd' ein Todeskrampf. Den Wehen des Geschicks ist Fehlgeburt entrungen, Vom Drang des Augenblicks Ruh und Genuß verschlungen.

Ich weiß nicht, wo sich wird die Wissenschaft verkriechen, Die Poesie doch wird unzweifelhaft versiechen. Wo sich genüberstehn Unglaub' und Ueberglauben, Will dir die Seele der, und der die Sinne rauben.

Die Sinne raubt er nicht, doch hat er sie verdumpft; Die Seele raubt er nicht, doch hat er sie versumpft. In diesem Sündenpfuhl, in diesen Jammerfrösten, Kann für die Welt mich nur ein neuer Glaube trösten;

Der Glaube, daß der Geist, der mit der Sonne blickt, Von Zeit zu Zeit, wo Hülfe noth ist, Helfer schickt; Und wenn das Unheil sich unheilbar Menschen zeigt, In menschlicher Gestalt er selbst herniedersteigt.

So mehr als einmal schon ist er herab gestiegen, Und jetzo denkt er, wo er will geboren liegen.

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