Skip to content
1788–1866

22.

Friedrich Rückert

Um eine Blum' im Korn, von Knabenaug' erblickt, Um eine Blume wird wie mancher Halm geknickt! Dem Landmann wär' es gut, wenn unter seinem Rocken Gar keine Blume wüchs', um Knaben anzulocken.

Dem Landmann wär' es recht, wenn unter seinem Weizen Gar keine Blüte stünd', um Knabenlust zu reizen. Recht wär' es ihm und gut, wenn unter seinen Saaten Nicht wäre, weshalb sie die Knaben ihm zertraten.

Die Blumen nennet er Unkraut mit Recht, sie sind Das allerschädlichste für seiner Pflege Kind. Alswie am Töchterchen ein strenger Vater schalt Die Schönheit, die bei ihm nur als Verführung galt;

Nur daß der Vater nicht wie jener auch ausraufen Das Unkraut will noch darf, wonach die Knaben laufen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
22. · Friedrich Rückert · Poetry Cove