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1788–1866

18.

Friedrich Rückert

Ein frommer Bettler stand an Krämerladenwand, Hätt' einer Gabe noth, doch streckte nicht die Hand. Der geiz'ge Krämer denkt, sein Schweigen sei ein Heischen; In seinem Kram gestört, begann er aufzukreischen.

Er hatt' in manchem Sack zu wühlen und zu kramen, Und sprach zum Bettler barsch: Geh hin in Gottes Namen! Der Bettler sprach: Ich geh' in Gottes Namen leicht, Da mir zum Hindernis kein schwerer Pack gereicht.

Du aber, der du hast so manchen Sack zu tragen, Wie gehst du, wann man wird des Aufbruchs Trommel schlagen? Von diesem Worte ward des Krämers Herz getroffen, Dem Bettler gieng er nach, und ließ den Laden offen.

Er nahm den Bettelstab und wanderte durchs Leben. So gute Lehren kann ein Bettler Krämern geben. Wol jenem Weisen gleich, der, als vor Feindesdrohn Die Bürger, um Verlust der Habe klagend, flohn,

Im schwerbepackten Zug gieng leicht an seinem Stabe, Und sagte, daß er all das Seine bei sich habe.

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