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1788–1866

171.

Friedrich Rückert

Ein König möcht' ich seyn, ein Herr der Morgenlande, Der so zu geben als zu nehmen wär' im Stande. Der keinen vor sich ließ' erscheinen ohne Gaben, Und keinen von sich gehn, ohn' ihn beschenkt zu haben.

Wer sein Geschenk empfängt, den wird es nicht beschämen, Und selber ohne Scham kann er Geschenk' annehmen; Weil alles ihm gehört, was Menschen freut und frommt, So einzig zu ihm geht, wie einzig von ihm kommt.

Des Gabentausches wie sollt' er sich scheun und schämen, Da Götter Segen streun und Opferduft annehmen? Ein solcher möcht' ich seyn, um ohne Scheu und Bangen Geschenke selbst noch mehr zu geben als empfangen;

Daß Reichempfangenes nicht müßte mich erniedern Durch das Gefühl, ich sei zu arm es zu erwiedern.

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171. · Friedrich Rückert · Poetry Cove