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1788–1866

16.

Friedrich Rückert

Du unbeschriebnes Blatt, nun komm' und sei beschrieben Der Tochter meines Freunds, ich darf es nicht verschieben. Ein unbeschriebnes Blatt ist jugendlicher Sinn; Viel Schönes, Gutes drauf zu schreiben ist Gewinn.

Ein fleckenloses Blatt ist jungfräuliches Herz; Nie furche drein die Schrift von Leidenschaft und Schmerz! Schreib fein bedächtig so daß nichts sei auszustreichen; Ein ausgestrichnes Wort ist ein entstellend Zeichen.

Ein Zug, der blaß erlischt, wird leichter angefrischt, Ein fehlgeschriebner wird nie gründlich weggewischt. Vom Messerchen, wie fein es kratzte, bleibt die Spur, Und nie wirds glatt, ob man mit Bimsstein drüber fuhr.

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16. · Friedrich Rückert · Poetry Cove