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1788–1866

15.

Friedrich Rückert

Die Unschuld liebt im Thier Menschähnliches zu sehn, Bosheit im Menschen Thierverwandtes zu erspähn. Und leicht ist eines auch aufs andre auszulegen, Weil beides überall in beidem ist zugegen,

Da das geringste Thier schon auf den Menschen deutet, Und selten sich ein Mensch hat ganz vom Thier gehäutet. Aus jedem Thiere guckt ein Stückchen Mensch hervor, Und jeden Menschen zupft die Thierheit noch am Ohr.

Wenn Scharfsinn und Verstand nun liebet Unterscheidung, So liebt dagegen Witz und Fantasie Verkleidung. Doch edler als die Luft an der Karrikatur Ist harmlos spielende Begeistrung der Natur,

Die lieber Niederes um eine Stufe rückt Herauf, als Höheres hinab um eine drückt; Der Kindermärchenwelt tiefsinnige Betrachtung, Und des Brahmanen draus entsprungne Thierweltachtung.

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