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1788–1866

141.

Friedrich Rückert

Nicht triftig schienen mir von Gottes Güt' und Macht Beweise nur aus Endursachen vorgebracht; Warum ein Angesicht der Augen habe zwei, Da alles doch zu sehn gnug eins der Sonne sei.

Schönheit und Ebenmaß ließ ich als Grund mir gnügen, Sie aber wollten noch dazu den andern fügen, Daß dieser edelste und himmelnächste Sinn Sei doppelt angelegt dazu von Anbeginn,

Damit ein Auge doch, wann eines ward gekränkt, Noch blieb', in welches nun die ganze Kraft sich senkt. Des Grundes Richtigkeit vermocht' ich nicht zu fassen, Nun aber will ich ihn und muß ihn gelten lassen,

Seitdem ein Auge, mir nicht minder lieb als meines, An einem theuern Haupt zu Schaden kam, nur eines. Nun dank' ich Gott, daß ihm noch eines blieb geschenkt, Und bete, daß darein sei Doppelkraft gesenkt,

Gedoppelt Himmelslicht, gedoppelt Seelenlust, Daß innen zum Gewinn werd' außen der Verlust. Die Endursache mag im Dinge selbst nicht seyn, Mit Recht trägt sie der Mensch zu seinem Trost hinein.

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