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1788–1866

123.

Friedrich Rückert

Der Wandrer im Gebirg verlor die rechten Steige, Und blickt umsonst umher, wer ihm dieselben zeige. Doch ein Einsiedler sitzt vertieft dort in Gebeten, Und fragend nach dem Weg, kommt er zu ihm getreten.

Da hebt der fromme Mann, und spricht dazu kein Wort, Den Finger himmelan, und betet schweigend fort. Es spricht der Wandersmann: Ich weiß, daß durch Gebet Und Weltentsagung dort der Weg zum Himmel geht.

Doch jetzo möcht' ich den zum nächsten Dorfe wissen; Wenn du die Kunde hast, so laß mich sie nicht missen. Da wiegt der fromme Mann, und spricht dazu kein Wort, Das Haupt verneinend ernst. Der Wanderer geht fort,

Und denkt: Was könnt' es wol dem frommen Manne schaden, Wenn er bewandert wär' auch in der Erde Pfaden? Am Himmel würd' es dort ihm keinen Eintrag thun, Zeigt' er den Weg mir hier; den zeige Gott mir nun!

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