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1788–1866

120.

Friedrich Rückert

O fühle dich, du fühlst, du bist von allen Seiten Abhängig, wo du stehn magst, liegen oder schreiten. Vom Stoß der äußern Welt von jeder Seit' abhängig, Der Kraft des Elements zugängig, ja durchgängig.

Nicht einmal wie ein Erz dem Wasser undurchdringlich, Nicht einmal wie ein Stein dem Feuer unbezwinglich. Dich trinkt der Hauch der Luft, dich ißt der Wittrung Zahn, Dich wandelt Tag und Nacht, und wandelt deine Bahn.

O fühle dich, und sprich, in deiner Engigkeit Wie kommst du zum Gefühl der Unabhängigkeit? Du fühlest, daß ein Hauch dich jenes Odems trägt, Von dem im Gleichgewicht die Schöpfung ist gewägt;

Von dem im Gleichgewicht die Schöpfung ist gewägt, So daß nach keiner Seit' um eine Schale schlägt. Wie dich die Wage wägt, wo dich die Schale trägt, Wohin dich Element ins Element verschlägt;

Sag ihnen: Was verschlägt es mir, wie ihr mich wägt? Ich fühle mich ein Geist, mit Geist vom Geist geprägt. Wer dis Gepräge trägt, der weiß daß man ihn wägt, Prüft, läutert, umschmelzt, doch als unrecht nie verschlägt.

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