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1788–1866

11.

Friedrich Rückert

Es ragt ein Inselberg, der bis zu seiner Spitze Von seinen Wurzeln auf, trägt vielverstreute Sitze, Landbauerwohnungen, jede von ihren Schatten Umgrünt, umringt von rind- und rehbegrasten Matten.

Den Gipfel aber krönt ein Thurm und Gotteshaus, Rings sichtbar um den Berg von jeder Wohnung aus. Dort oben wohnt erhöht, und Niemand fühlt sich hehrer, In Mitten seiner Welt, ein Priester und ein Lehrer.

Von ihm aus ruft die Glock' an jedem Abhang nieder, Am Morgen zum Geschäft, zur Ruh am Abend wieder. Früh hören sie die Glock', und beten beim Erwachen, Wie sie sie hören spät und Feierabend machen.

Am Festtag droben schallt der Lebenden Gebet, Und ihre Todten ruhn dort himmelsluftumweht. Dorthin zur Schule gehn die lernbegier'gen Kinder; Geschwinde gehts hinauf, herunter noch geschwinder.

Doch vor der Lehr' und nach steht er auf seinem Thurm, Mißt Wind- und Wolkenlauf, wägt Sonnenschein und Sturm. So den Kalender stellt er seinem Völklein immer, Es baut danach sein Feld, und Segen fehlt ihm nimmer.

Er aber, der am Tag war seines Volkes Hirte, Wird, wann der Abend naht, den Wanderern zum Wirte. Vom hohen Söller späht er, ob ein Gast sich nahe, Der von ihm Speis' und Trank und nächt'ge Rast empfahe.

Und sieht er keinen nahn, so winkt er seinen Segen Nach allen Hütten hin, und geht der Ruh zu pflegen.

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