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1788–1866

107.

Friedrich Rückert

Wie wenig ist was die einander hier doch geben, Die in des äußern Weltverkehrs Berührung leben; Die sich erregen meist nur um sich zu verwirren, Und sich begegnen um sich gegenseits zu irren;

Die selten oder nie einander weiter bringen In großen Dingen, und sich streiten in geringen; Wie wenig gegen das, was ein Gemüt durchbebt, Das mit der Menschheit eins in höherm Chore lebt!

Die Menschheit stellt sich klar nur in der Ganzheit dar, Und in der Einzelheit, doch niemals in der Schaar. Und von der Einzelheit ist Ganzheit nicht verschieden; Der Ganzheit Träger ist die Einzelheit hienieden.

Das ist das Selbst, das selbsuchtlos der Weise sucht, Das Selbst, vor dem der Thor ist immer auf der Flucht. Er flieht zum Lerm der Welt, sich selbst zu übertäuben, Ins Leer sein leeres Selbstbewustseyn zu zerstäuben.

Du aber samml' in dir der Menschheit Blütenstaub, Und gib die Blüte nicht dem Wind der Welt zum Raub. Aufreg' ein Liebeshauch in dir den Blütenstaub, Daß deine Blüte nicht unfruchtbar sei und taub.

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