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1788–1866

100.

Friedrich Rückert

Jemehr du aus ihm nimmst, je größer wird der Graben; Freigebigkeit, das ist ein Bild von deinen Gaben. Dem edlen Sinn ist kein geringes Bild zu klein, Er macht es sich zurecht, und legt sich selbst hinein.

Sei du der Schöpfbrunn, der gern allen Nachbarn borgt, Und vor Erschöpfung ist am wenigsten besorgt. Er hat stets frische Füll', erhält man ihn im Zug; Wo nicht, so überzieht ihn Schimmel bald genug.

Sei du das Licht im Haus, vom Scheffel unverdeckt, Das glänzt, wenn an ihm wird ein andres angesteckt. Es geht davon nicht aus, und seinen Widerschein Sieht es im Nachbarhaus, kein Stern glänzt gern allein.

Wir alle sind nur Stern' in einer Erdennacht, Gehn aus wie Lampen gern, wann unser Tag erwacht.

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