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1774

An Themiren

Joseph Franz Ratschky

O hätten zur Strafe gebrochener Schwüre Die Götter ein einziges Härchen, Themire, Dir jemals gekrümmet, so glaubt' ich auf's neue An weibliche Treue.

Doch jeglicher Meineid, durch den du den Himmel, Beleidigst, verschönert dich, und das Gewimmel Der Jünglinge mühet sich doppelt, vor allen Nur dir zu gefallen.

Vortrefflich gedeiht dir's, die Gottheit der keuschen Diane durch sträfliche Schwüre zu täuschen, Die Götter des ganzen Olympes durch Lügen Und Frevel zu trügen.

Cythere mit ihrem Gefolg und der kleine Schalk Cypripor, welcher auf blutigem Steine Sich Pfeile schärft, sehn dich mit lächelnden Blicken, Den Jüngling berücken.

Mit jeglichem Knaben reift auch dir ein neuer Leibeigner: zwar dräuen die älteren Freyer Dir oft, dich zu fliehn, doch du missest von deinen Vasallen noch keinen.

Dein Reitz macht so manche von unseren Müttern Für ihren milchbärtigen Herzenssohn zittern, Und drohet der bangen Verlobten, ihr ihren Adon zu entführen.

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