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1796–1835

IiI. Amalfi.

August von Platen

Welches am Felsabhang, in der Nähe des schönen Amalfi, Fluth und Gebirge beherrscht, und dem Auge behaglichen Gönnt, zu den Füßen das Meer und hinaufwärts kantige Steile Terrassen umher, wo in Lauben die Rebe sich auf-

Doch nicht Mönche bewohnen es mehr, nicht alte Choräle Hallen im Kirchengewölb' und erwecken das Echo des Leer steht Saal und Gemach, in den Kalktufgrotten der Knien, der Gebete beraubt, eingehende Heiligenbilder.

Sonntags aber entschallt den verödeten, langen Gebäuden Frohe Musik, es besucht sie die luftige Jugend Amalfi's: Kinder beschwingen im Hof, blitzäugige Knaben, den Kreisel Rasch an der Schnur, und fangen den taumelnden dann

Aeltere werfen die Kugel indeß, die Entfernungen messend, Zählen, im Spiele der Morra, die Finger mit hurtigem Oder sie stimmen zu rauhem Gesang einfache Guitarren, Freudebewegt. Theilnehmend erscheint ein gesitteter Jüng-

Unter der Schaar, doch nicht in die Spiele sich selbst ein- Hoch vom steilen Gebirge, das Fest zu begehn in Amalfi, Schön wie ein Engel des Herrn, in die Tiefe herunterge- Reizend in Ringen umkräuselt die Brau'n schwarzlockigen

Schimmernde Nacht, rein leuchtet die blühende Flamme Nie von Begierde getrübt und dem Blick zweydeutiger Welche dem kochenden Blut in der südlichen Sonne ge- Doch wer kann, da die Zeit hinrollt, festhalten die Schön-

Schweige davon! Rings gähnt, wie ein Schlund, die ge- Tritt auf jene Balkone hinaus, und in duftiger Ferne Siehst du das Ufer entlegener Bucht und am Ufer erblickst du Herrlicher Säulen in Reih'n aufstrebendes, dorisches Bild-

Nur Eidechsen umklettern es jezt, nur flatternde Raben Ziehen geschaart jezt über das offene Dach lautkreischend; Brombeere decken die Stufen, und viel giftsamiges Unkraut Kleidet den riesigen Sturz abfallender Trümmer in Grün ein.

Seit Jahrtausenden ruht, sich selbst hinreichend und einsam, Voll trotzbietender Kraft dein fallender Tempel, Poseidon, Mitten im Haidegefild und zunächst an des Meers Einöde. Völker und Reiche zerstoben indeß, und es welkte für ewig

Jene dem Lenz nie wieder gelungene Rose von Pästum! Aber ich lasse den Geist abirren. O komm nach Amalfi, Komm nach Amalfi zurück! Hier führt ein lebendiges Tag- Menschen vorüber. Wenn auch einstürzen die Burgen der

Auf des Gebirgs Vorsprüngen, wenn auch kein Massaniello, Der die Gemüther des Volks durch siegende Suada dahinriß, Willkühr haßt, noch branden die Wellen, es rudert der Enkel, Wie es der Ahnherr that in den blühenden Tagen des Frey-

Noch aus heimischer Bucht, aufziehend die Segel, das Fahr- Sprich, was reizender ist? Nach Süden die Fläche der Salz- Wenn sie smaragdgrün liegt um zackige Klippen und anwogt, Oder der plätschernde Bach nach Norden im schattigen Mühl-

Sey mir, werde gegrüßt dreymal mir, schönes Amalfi, Dreymal werde gegrüßt! Die Natur lacht Segen, es wandeln Liebliche Mädchen umher und gefällige Knabengestalten, Wo du den Blick ruhn lässest in diesem Asyle der Anmuth.

Ja, hier könnte die Tage des irdischen Seyns ausleben, Ruhig wie schwimmendes Silbergewölk durch Nächte des Irgend ein Herz, nach Stille begierig und süßer Beschrän- Aber es läßt ehrgeiziger Brust unstäte Begier mich

Wieder verlassen den Sitz preiswürdiger Erdebewohner, Bannt am Ende vielleicht in des Nords Schneewüste zu- Wo mein lautendes Wort gleichlautendem Worte begegnet.

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