Skip to content
1796–1835

Ii. Mädchens Nachruf.

August von Platen

Und gesammelt liegt die Frucht: Ach, mit meinen Freuden allen Nahm auch er die rasche Flucht! Unter niederm Hüttendache

Wohn' ich, jener im Pallast, Doch aus fürstlichem Gemache Trieb ihn Muth und Kampfeshast. Als des Frühroths erstes Tagen

Mich vom Traume heut erweckt, War mit Dienern, Rossen, Wagen Dieser ganze Raum bedeckt. Und er kam im Jugendflore,

Hob sich auf sein Pferd im Nu, Bebend stand ich unter'm Thore, Sah dem schönen Reiter zu. Und im leichten Morgenkleide

Trat zu ihm die Braut hervor, Diesmal ohne Gold und Seide, Doch wie er im Jugendflor. Vor der Trennung nicht erschrocken,

Küßt' er noch ihr Stirn und Mund, Bey den Lippen, bey den Locken Schwur er den beglückten Bund. Ritt mit Dienern und Vasallen,

Dankte meinem Gruße kaum: Schwalben ziehen, Blätter fallen, So zerfließt der Liebe Traum!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Ii. Mädchens Nachruf. · August von Platen · Poetry Cove