Zu dir sich auf, mit Trauer und Stolz zugleich: Vertrau'n im Blick, im Munde Wahrheit, Schwört es dem Sohne der Wittelsbacher. Des Thrones glatte Schwelle, wie selbstbewußt,
Wie fest betrittst du sie, wie gereift im Geist! Ja, leichter hebt dein freyes Haupt sich, Seit die metallene Last ihm zufiel. Dir schwellt erhab'ne Güte das Herz, mit ihr,
Was mehr noch frommt als Güte — der tiefe Sinn: Wo dieser Schöpfer mangelt, seh'n wir Alles zerstückelt und schnell verunglückt. Dein Auge spähte durch die Vergangenheit,
Es lag das Buch der Zeiten auf deinem Knie, Gedanken pflücktest du, wie Blumen, Ueber dem Grabe der deutschen Vorwelt. Dein Volk, du kennst es. Jeglichem Zeitgeschick,
Das ihm zu Theil ward, fühltest und sannst du nach, Und still, in eigner Brust verheimlicht, Trugst du den lachenden Lenz der Zukunft. Du hast mit uns erlitten den Fluch des Kriegs,
Gezählt die Todesnarben der Jünglinge, Die deiner Ahnherrn Strom, der Rhein, sah Seelen verhauchen für deutsche Freyheit. Und nicht umsonst verhauchen, du fühlst es wohl!
Nach jenes Cäsars tragischem Untergang, Was könnten klein're Scheindespoten Anders erregen, als frost'ges Lachen? Du aber theilst die heilige Gluth mit uns,
Vor der in Staub sank jener geprüfte Held, Und fallen ließest du mit uns ihr Eine begeisterte, warme Thräne. Dem Stein des Rechts, den edelgesinnt und treu
Dein Vater legte, bläsest du Athem ein, Du siehst im Marmor keinen Marmor, Aber ein künftiges Jovisantlitz. Allein wie sehr du Wünsche des Tags verstehst,
Nicht horchst du blindlings jedem Geräusch, du nimmst Den Zepter, jenem Joseph ungleich, Nicht in die weltliche Faust der Neu'rung. Ehrfurcht erweckt, was Väter gethan, in dir,
Du fühlst verjährter Zeiten Bedeutsamkeit, In's Wappenschild uralter Sitte Fügst du die Rosen der jüngsten Freiheit. Heil dir und Heil der Lieblichen neben dir,
Heil jedem Sprößling, welchen sie dir gebar! Wenn Kinder dich und Volk umjubeln, Leerst du, als Becher, des Segens Füllhorn! Wie eine Rebe, schattig und traubenschwer,
Die schon den Keim des werdenden Rausches nährt, Umschlängelt deinen angeerbten, Blühenden Zepter der gold'ne Friede. Rückwärts erblickst du Flammen und Krieg und Mord
Doch mild am Gürtel trägst du das reine Schwert; Du stehst, wie jener fromme Dietrich, Ueber den Leichen der Nibelungen. So sey (du warst es immer, erlauchter Fürst!)
Des Friedens Schirm und jeglicher Kunst mit ihm, Die nur an seiner sanften Wärme Seelenerquickende Knospen öffnet. Des Bildners Werkstatt wimmelt von Emsigkeit,
Es hascht der Maler seltengebot'nen Stoff, Die Bretter, Schauplatz jeder Größe, Biegen sich unter dem Gang der Dichtkunst. Und jenen Festsaal, Gütiger, öffnest du,
Voll edler Formen, wie sie ein Meissel schuf, An dessen Würde, dessen Kraft wir Gerne verschwenden das Ach der Sehnsucht. Früh war die Schönheit deines Gemüths Bedarf,
Und Schönes ist ja Göttliches, leicht verhüllt Durch einen Flor, den uns des Denkers Wesenerforschendes Auge lüftet. Und nicht vergeblich sogst du, mit ems'ger Lust,
Das tiefste Mark altgriechischer Bildung ein: Wofür, als für's Vollkomm'ne, schlüge Solch ein erhabenes Herz, wie deines? Es geht die Sage, daß du als Jüngling einst,
Dahingegeben thätiger Einsamkeit, Am busch'gen Felsenstrand der Salzach Nur mit homerischen Helden umgingst. Und zürnst du noch, wenn trunken ein Dichter dir
Ausgießt des Lobes Weihungen? Zwar es sind Nur Tropfen Thau's, doch deine Sonne Macht sie zu farbigen Regenbögen. Vergieb, o Herr! dem Dichter, der ohne dich
Verlassen stünde, fremd in der Zeit und stumm: Dein fürstlich Daseyn lös't den Knoten Seiner verworrenen Lebensräthsel.
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