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1815

Berliner Nationallied

August von Platen

Diesen Kuß den Moskowiten, Deren Nasen sind so schmuck! Rom mit seinen Jesuiten Nehme diesen Händedruck!

Züchtig mit gebeugtem Nacken Treten fromm wir zum Altar. Uns am Busen ruhn Kosaken Und in Weihrauch steht der Zar!

Seit das Reich der Jagellonen Fromm wir unter uns zerstückt, Sind verschmolzen unsre Kronen, Weil uns Gleiche Tugend schmückt!

Seit Mongolen und Berliner Umgewälzet jenes Reich, Lachen wir der Jakobiner, Denen wir an Taten Gleich.

Wer mit Frankreich abgeschlossen Einen Bund, begeht Verrat; Doch Kirgisen als Genossen Wählen, welche deutsche Tat!

Unsre Reiche sind wie Schwestern, Schon vermischt sich Mir und Dir, Beide sind wir ja von gestern; Alte Völker hassen wir.

Wo ein Rest der alten Größe Noch sich regt und kommt zutag, Töten unsre Rippenstöße, Ach, der Pulse letzten Schlag!

Zehnmalhunderttausend Knuten Haun im Notfall tüchtig ein, Und Europa wird verbluten, Wird unendlich ruhig sein!

Untertänigkeit erwarte Jeder Herrscher wie der Zar, Ausgenommen Bonaparte, Weil er nicht von Adel war.

Schon in Moskaus Racheflammen Ward zu Staub der größte Thron; Asien rafft sich nun zusammen, Mächtiger als Napoleon.

Seine Herrschaft war vergänglich, War geknüpft an ihn allein: Unabwendbar, überschwenglich Wird des Moguls seine sein!

Da er nichts tut als erobern Wird er uns nicht übersehn, Gerne wird er seinen Lobern Eine kleine Kette drehn.

Ach, wir schwelgen im Genusse, Daß bereits zu dieser Frist Jener vielgeliebte Russe Unser nächster Nachbar ist!

Schmied er uns ein Joch von Eisen, Wir gehorchen ihm geschwind, Wollen aller Welt beweisen, Daß wir keine Polen sind.

Bloß Barbaren rebellieren, Wenn man ihnen bricht den Eid: Kommt an unser Herz, Baschkiren, Weil ihr so gebildet seid!

Möcht er doch in kalte Steppen Bannen uns, wir nehmen's an; Möcht er unsre Kinder schleppen Nach dem fernsten Astrachan!

Möcht er uns mit Hunden hetzen, Wir ertragen's voll Geduld. Einem Zar sich widersetzen, Welch Verbrechen, welche Schuld!

Für verstandlos mögen Gecken Uns verschrein und unsern Stand; Fremden Speichel aufzulecken, Braucht man nicht so viel Verstand.

Als den Spucknapf seiner Gnaden Leerte mein beredter Mund, Kniff den Zar ich in die Waden, Denn ich bin und bleib ein Hund.

Diesen Kuß den Moskowiten, Deren Nasen sind so schmuck; Rom mit seinen Jesuiten Nehme diesen Händedruck:

Alles, was den Geist verschleiert, Was der Seele bringt Ruin, Werd in Hymnen laut gefeiert Durch die fromme Stadt Berlin!

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