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1815

31. Vision

August von Platen

Am Felsenvorgebirge schroff, Das von des Meeres Wellen troff, Die schäumend es umrangen, Da stand ich ein verlaßner Mann,

Und manche warme Träne rann Mir über bleiche Wangen. Doch ringsumher war Scherz und Spiel, Sie sangen, schossen nach dem Ziel,

Und tanzten in die Runde: Es schenkten manchen Becher Wein Die Mädchen ihren Buhlen ein In dieser frohen Stunde.

Und als ich schaute rund umher, Ward mir das Herz im Busen schwer; Denn ach, mich kannte Keiner! Mich fragte Keiner liebentglüht:

Was ist die Wange dir verblüht? Was fehlt dir, stiller Weiner? Der Abend nahte dunkelgrau, Die Blumen füllten sich mit Tau,

Der Himmel mit Gestirnen; Doch immer hüpften ihren Tanz Im Abendrot, im Sternenglanz Die Knaben und die Dirnen.

Und weil ich stund am jähen Rand, Stieß mich hinab die Felsenwand Der Menge bunt Gewimmel: Da haschten mich die Wolken auf,

Und trugen mich hinauf, hinauf, In ihren schönen Himmel.

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