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1777

Salomo

Gottlieb Konrad Pfeffel

An einem großen Jubelfest, Da Salomo des Armen Thränen Zu trocknen, das Verdienst zu krönen, Gehör gab, und vom Nord und West

Sich alles Volk zum König nahte, Trat auch der frömmste Mann im Staate, Ein edler Greis, vor seinen Thron Und sprach: darf ich mich unterstehen

Um eine Gnade dich zu flehen, So bitt ich dich für einen Sohn Von deinem Bruder Absolon, Der krank, verlassen und verachtet,

In einem tiefen Kerker schmachtet: Du weißt, ich bin sein Freund ... Dein Flehn Las ich in deiner schönen Seele; Kaum sah ich dich im Vorsaal stehn,

So gab ich ahnend die Befehle Ihn zu befreyn, sprach Davids Sohn – Und sprach es noch, so stürzte schon Des Gottgesalbten Hand zu küssen,

Der Jüngling sich zu seinen Füssen. Ihr Klügler, die ihr das Gebet Als ungereimt und eitel schmäht, Weil Menschen Gottes Schluß nicht wenden:

Wie wenn der Geber Jehovah Von Ewigkeit die Menschen sah Mit freyen ausgestreckten Händen Zu seiner Güte Thron sich nahn?

Wie wenn er dann schon seinen Plan Darnach entwarf und das gewährte, Was seiner Weisheit Zweck nicht störte? So bleibt sein Schluß ja ewig stehn,

Und wäre doch nicht der gewesen, Hätt er des Tugendhaften Flehn Nicht in der Zukunft Buch gelesen.

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