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1760

Phryne

Gottlieb Konrad Pfeffel

Als Phryne vor dem Putzaltar Ihr balsamirtes schwarzes Haar Mit grauem Modepuder schmückte, Und mit dem Anstand einer Braut

Auf ihre zarte Rosenhaut Ein ganzes Weltsystem von schwarzen Pflastern drückte, So trat Urania, die gute Fey, Die sie zur Taufe hob, unangeklopft herbey

Und sprach, mit Majestät in jeder Miene, Mit Ernst in jedem Ton, zur armen blassen Phryne: Noch ehe du das Licht der Unterwelt erblickt, Hab ich dich mit dem Reiz des Himmels ausgeschmückt:

Und du Wahnsinnige! du wagst mit eignen Händen Das Denkmal meiner Huld zu schänden? Itzt fährt sie mit dem Zauberstab Erzürnt an Phrynens kalte Stirne;

Wohlan, galante Modedirne, Behalte stets den Reiz, den deine Kunst dir gab. So sprach die Fey, und nun war sie verschwunden. Die gute Phryne saß allein,

Gleich einem unbeseelten Stein, Den halben Vormittag im Armstuhl angebunden. Kaum kam sie zu sich selbst zurück, So blieb ihr erster schwacher Blick

Auf dem getreuen Spiegel kleben. Was seh ich? Himmel! ist es wahr? Ich eine Tiegerhaut? ich graues Haar? Die Schmach kann ich nicht überleben!

So ruft sie, rauft sich voller Wuth Die Locken aus, und wäscht sich bis aufs Blut. Umsonst, es will ihr nicht gelingen Die schwarzen Flecken wegzubringen:

Und ach, sie starb, wie man leicht denken kann, – Ihr Mädchen, zittert – ohne Mann.

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