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1755

Die Zufriedenheit

Gottlieb Konrad Pfeffel

Göttliche Zufriedenheit, Braut des Weisen, Nur ein Sohn der goldnen Zeit Darf dich preisen.

Aber flehn darf ich zu dir: Hilf das Thal der Leiden mir Still durchreisen. Nur nach dir, du höchstes Gut,

Geht mein Streben; Schenke du dem Dulder Muth Auszuleben. Selbst dem Kelch des Marterthums

Kannst du des Elysiums Vorschmack geben. Was nur Kinder vom Geschick Heiß begehren;

Was Geburt und Gunst und Glück Uns gewähren; Was ihm nicht zur Weisheit nützt, Lernt ein Herz, das dich besitzt,

Leicht entbehren. Gern läßt es die Schichten Geld Harpagonen; Gern läßt es dem stolzen Held

Seine Kronen. Unter einem Hirtenkleid Wohnet mehr Zufriedenheit Als auf Thronen.

Wank ich gleich an meines Kahns Morschem Steuer; Eingehüllt in Oßians Augenschleyer;

Dennoch bleibt mein Frohsinn mir; Den, o Göttin, dank ich dir Und der Leyer. Wenn ich, trautes Himmelskind,

Dich nur habe; Dienest du durchs Labyrinth Mir zum Stabe; So beklag ich nie mein Loos,

Und ich finde deinen Schoos Auch im Grabe.

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