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1781

Die Urne

Gottlieb Konrad Pfeffel

Der fromme Bischof Theagen Entwich in eine dunkle Grotte Des Pallaswäldchens bey Athen, Um weit vom Lerm mit seinem Gotte

Und sich vertrauter umzugehn. Er lebte hier schon sieben Jahre, Nur von Olympiern gesehn; Schon fielen seine grauen Haare

Wie Blätter, die der Nord verjagt; Schon tönten seine Psalmen heiser Und täglich schlug sein Busen leiser, An dem schon lang der Krebs genagt.

Er fühlte, daß sein Ende nahte; Sein welker Arm, der kaum den Stab Noch halten kann, ergreift die Spate, Und frölich macht er sich sein Grab.

Itzt ragt was aus dem Schoos der Erde; Es war ein marmorner Altar, Der einst der Göttin heilig war. Doch schnell erhob sich aus dem Herde

Ein kleiner goldner Aschenkrug Von hellem Sternenglanz umgeben. Gott! rief der Greis mit heilgem Beben, Ists Wahrheit? Ist es Augentrug?

Er wagts die Urne wegzuheben, Die kaum in seinen Händen weilt, So überströmt ihn neues Leben Und schon ist seine Brust geheilt.

Der Alte sinkt vor dem Altare In Thränen auf sein Angesicht: Verschmähe meine Bitte nicht, Gott! noch ein Wunder, offenbare

Mir, Herr, wer dein Apostel ist, Den dieser Aschenkrug verschließt. Der Grund des Felsen wird erschüttert Und eine himmlische Gestalt,

Die wie ein Blitz vorüberwallt, Ruft: Socrates! Der Alte zittert Und in dem Stralendiadem Des Krugs, auf den sein Blick sich kehret,

Liest er beschämt: wer Gott verehret Und recht thut, ist ihm angenehm.

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