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1787

Die Krücken

Gottlieb Konrad Pfeffel

Ein grauer Fackir, welcher zwar Noch frisch und stark von Gliedern war, Allein von Jugend auf an Krücken Zu gehn gewohnt, itzt ohne sie

Nicht fähig war vom Fleck zu rücken, Warf sich am Ganges auf sein Knie, Um einsam sein Gebet zu halten. Ein Europäer sah ihn da

Voll Andacht seine Hände falten: Es war ein kleiner Attila Vom neuen Philosophenorden: Ihm ward das Rauben und das Morden,

Nur nicht der Aberglaube recht. Er schlich versteckt sich durch die Hecken, Und lachend nahm der Henkersknecht Dem Beter seine beyden Stecken.

Der Fackir rafft sich auf und fällt: Er fleht, er weint; allein vergebens. Der Räuber hüpfte durch das Feld; Und trug die Stützen seines Lebens

Als Siegeszeichen vor sich her. Ein weiser Brame, welcher mehr, Als was der Vedam lehrt, gelernet, Und das Geräusch der Welt zu fliehn,

Sich in die Einsamkeit entfernet, Eilt zum verlaßnen Pilger hin, Trägt liebreich ihn auf seinem Rücken In seine Hütte, tröstet ihn,

Und schenkt ihm ein Paar neue Krücken; Hier, Freund, sprach er; indessen sie Des Armen Hände gierig fassen: Auch dieses ist Philosophie,

Dem, der sie brauchet, sie zu lassen. Das thust du, Freund, und wirst mißkannt Und wirst der Toleranz zur Ehre, Für diese ketzerische Lehre,

Wohl gar ein Jesuit genannt. Sey mir gegrüßt, ein lieber Pater! Du heiligst Loyolas Gewand. Ein Glück ists, daß der heilge Vater,

Als er die schwarze Zunft verbannt, Den Bruder Caspar nicht gekannt; Es wäre sonst dein ganzer Orden Blos dir zu lieb verschonet worden.

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