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1776

Die Fackel

Gottlieb Konrad Pfeffel

Als bange Finsterniß Egyptenland Drey Tage lang auf Moses Wink bedeckte, Gab Pharao Befehl, daß man am jähen Strand Des Nils, wo seine Hofburg stand,

Auf einen Obelisk ein großes Windlicht steckte. Kein Bürger war, wenn er die Straße zog Und schauernd die Gefahr erwog, Der den Monarchen nicht gesegnet hätte.

Der Fackelschein lockt aus der dicken Nacht Auch einen Narrn herbey, der sich von seiner Kette Mit wilder Stärke losgemacht. Er gafft sie lachend an, klimmt auf die Pyramide

Und nimmt sie weg. Gleich einer Eumenide Schwingt er sie durch die Luft, und steckt mit rascher Hand Das ganze Schloßquartier in Brand. Der Flamme falber Blitz durchstreift die schwarzen Nebel

Und füllt die Stadt mit Angst und Graus. Nur das noch brauchten wir, schrie der ergrimmte Pöbel, Verdammte Fackel, löscht sie aus! Ihr haben wir dieß Unglück zuzuschreiben!

Nein, rief ein weiser Greis, die Fackel ist nicht Schuld; Euch schenkte sie des Königs Huld Die Finsternisse zu vertreiben. Wie manchen irren Fuß hat sie

Dem Strom entwarnt! Ward sie von einem Tollen Mißbraucht, so bindet ihn, sie hätte nie In solche Hände fallen sollen. Freund Gottes und mein Freund, der die Religion

Und ihres Stifters Ehre rächte, Wenn doch der Spötter Zunft, wie dieser Alte dächte! Sie schreibt die Bluthochzeit, die Inquisition Und ganze Myriaden Uebel,

Geburten des Betrugs, der Tyranney, Der Dummheit und der Schwärmerey, Dreist auf die Rechnung unsrer Bibel, Die lauter Weisheit lehrt und jede That verdammt,

Die nicht aus Menschenliebe stammt.

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