Skip to content
1765

Der Wegweiser

Gottlieb Konrad Pfeffel

Die Flur sah Phöbus letzte Strahlen Des Horizontes düstern Rand Mit einem dünnen Roth bemalen, Als sich in einem fremden Land

Ein Pilger, der den Weg verfehlte, Allein in einem Grund befand, Von dem man Raub und Mord erzehlte. Er irret lange bebend fort

Und stößt zuletzt auf einen Ort, Wo sich zween schmale Pfade scheiden. Voll neuen Kummers starrt er hier Und seufzet, ach! wer zeiget mir

Den rechten Weg von diesen beyden? Sein Auge schweift geschreckt umher Und weiset ihm von ungefehr Zur rechten eine hohe Säule

Mit einer ausgestreckten Hand, Worauf er diese Worte fand: Ich führe dich nach einer Meile In eine sichre Ruhestadt.

Der arme Pilger küßt die Säule, Die seine Furcht verbannet hat. Jedoch nach einer kleinen Weile Ergreifet ihn ein neuer Graus.

Ach, liebe Säule! ruft er aus, Wie leicht kann ich die Bahn versehen Und dann ist es um mich geschehen, O, könntest du nur mit mir gehen!

Ey, sprach der Klotz, ich danke dir, Freund, du begehrst zu viel von mir: Ich rathe nur und bleibe stehen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Wegweiser · Gottlieb Konrad Pfeffel · Poetry Cove