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1787

Der Uhu und die Fledermaus

Gottlieb Konrad Pfeffel

Gehüllt in seinen grausen Schleyer Saß einst auf einem Klosterdach Ein Uhu, sann in stiller Feyer Der Quadratur des Zirkels nach,

Und orgelte mit dumpfer Kehle Just sein entzücktes Hevrika! Als eine Speckmaus in der Höhle Des Glockenthurms, den Cynthia

Versilberte, vom Durst der Seele Nach Licht gedrängt, ihr Nest verließ Und auf das Dach herunter tauchte. Er packte sie so vest beym Vließ,

Daß sie nur einen Druck noch brauchte, Um todt zu seyn. Was! rief er aus, Darf eine schnöde Fledermaus Die Zirkel Archimeds zerstören!

Stirb, Frevlerin! – Das Mäuschen schrie: Gestrenger Herr! laß meine Zähren Im Namen der Philosophie Dich um Barmherzigkeit beschwören!

Auch meinen Geist beschäftigt sie, Mein Auge späht den Gang der Sphären: Kurz, ehe mich dein Zorn geschreckt, Hab ich im Bild des kleinen Bären

Heut einen neuen Stern entdeckt. – Ich sehe wohl, wir sind Collegen! Versetzt der Kauz; nun meinetwegen! Schon dieser Titel reitzet mich,

Der Fakultät zu Ehren, dich In meinem Magen zu begraben: Du weist ja, daß zu jeder Zeit Die Philosophen ungescheut

Einander aufgefressen haben.

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