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1786

Der Schatz

Gottlieb Konrad Pfeffel

Im fernen Königreich Leon Liegt eine Wunderhöhle, Von der man tausend Jahre schon Erzählt was ich erzähle.

Die Sage geht: auf diesem Platz Begrub ein Magus einen Schatz Von einer Tonne Goldes. Ihn hätte mancher gern geraubt;

Jedoch ein schwarzer Drache, Ein Bastart Satans, wie man glaubt, Hielt vor der Höhle Wache, Und wollte sich ein Kämpfer nahn,

So ward er stracks an seinen Zahn Wie ein Kapaun gespießet. Dieß hörte Junker Theogan Aus Rhätiens Gebirgen

Und warb zweyhundert Reuter an, Das Unthier zu erwürgen. Mit diesem Heere trabt der Held Drey Monden lang durch Thal und Feld

Und wechselt manchen Gulden. Der letzte war bereits verzehrt, Als er den Ort erblickte, Und mit den Seinen, wohl bewehrt,

Sich froh zum Kampfe schickte. Sie fielen mit vereintem Muth Den Lindwurm an, der Höllenwuth Aus seinen Augen sprühte.

Doch manches Schwerdt und mancher Spieß Zerbrach auf seinem Rücken, Und manchen tapfern Knappen riß Der Cerberus in Stücken.

Schon war ein Schock des Todes Raub, Und vierzig ächzten lahm im Staub, Als Theogan ihn fällte. Von Blute triefend hob der Held

Den Schatz von seinem Posten: Er fand an schönem baarem Geld Just seine Reisekosten; Und überdieß in einem Schrein

Ein kleines Faß mit Branntewein, Die Wunden zu verbinden.

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