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1780

Der Pelikan

Gottlieb Konrad Pfeffel

Gesengt vom heißen Mittagswind Erstarb die Flur. Die Nymphe klagte Am trocknen Quell; und täglich jagte Der Hunger und sein Mordgesind,

Die Seuchen, ganze Hekatomben Von Thieren in die Katakomben Der alten Nacht. Ein Pelikan Am Ida litt mit seinen Jungen

Des Orkus Durst. Der Hyderzahn Des Tods, mit dem sie lang gerungen, Durchwühlt ihr Mark. Von Harm durchdrungen, Sieht er verstummt die ganze Brut,

Mit hohlem Aug und heiserm Aechzen, Nach einem Tropfen Wassers lechzen. Itzt bricht sein Herz, voll schöner Wuth Reißt er mit der gestählten Spitze

Des Schnabels eine tiefe Ritze Sich in die Brust, und spritzt sein Blut Den Kindern in die dürre Kehle. Sie trinken froh den Purpursaft

Und schöpfen, wie vom frischen Oele Die seichte Lampe, neue Kraft. Nur folgt dem schaurichten Befehle Das jüngste nicht. Sein starrer Blick

Klebt auf der Wunde; seine Seele Zerreißt ihr Band; es sinkt zurück; Verhüllt sein Haupt mit seinem Flügel – Und stirbt. Von dem geweihten Hügel

Schaut Vater Zevs mit stiller Lust In dieses Heiligthum der Liebe. Er weint. Der göttlichste der Triebe, Das Mitleid, schwellt des Rächers Brust;

Er wischt den Tod vom Augenliede Des Märtyrers. Der Pelikan Wacht glänzend auf, und der Chronide Nimmt ihn zum zweyten Vogel an:

Doch nicht als Diener seines Zornes, Der mit dem Blitz bewafnet ist; Als Träger jenes Segenhornes, Das er auf fromme Kinder gießt.

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