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1783

Der Hänfling

Gottlieb Konrad Pfeffel

Ein Hänfling, den mit hoher Hand Ein kleiner gnäd'ger Herr, der nichts von Gnade wußte, An eine Landgaleere band, Wo er sein Futter ziehn, sein Wasser schöpfen mußte,

Sang einst sein Morgenlied im heitern Sonnenschein, Und spielte sorgenfrey mit seiner Kette. Da rief aus ihrem Wochenbette Ihm eine Schwalbe zu: mir wär es Höllenpein

Mit Ketten so beschwert zu seyn; Du spielst damit und scheinst sie nicht zu fühlen. O, glaube mir, erwiedert er, Die Kunst sie loszudrehn, ist lange nicht so schwer

Als die – damit zu spielen. O Freundin, diese Kunst besitzest du. Mit einem Heldenmuth, den keine Furcht bewegte, Sahst du schon oft der Hand des Schicksals zu,

Die sich auf deinen Nacken legte Und streicheltest die ehrne Hand. O du, Sophiens Vaterland, Germania! wie oft benetzten deine Schönen Ein Denkmal ihrer Kunst, ein großes Bild, mit Thränen,

Zu dem ihr Geist in sich das Urbild fand. Wann wirst du deine Lehrerin belohnen? Sie, der so manchen Kranz Apollo wand? Wann? ... Doch du hast für Töchter keine Kronen,

Die gab nur Rom und Griechenland.

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