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1782

Der Esel

Gottlieb Konrad Pfeffel

Der Esel trat als Supplicant Zum Löwen. Sir, darf ich es wagen, Sprach er, ein Wort dir vorzutragen? Die Polizey in jedem Land

Hat Männer von Talent ernannt, Des Nachts die Stunden anzusagen: Nun wissen Berge, Thal und Wald, Wie mächtig meine Töne schallen,

Drum bitt ich, Sir, laß dir gefallen Mit einem mäßigen Gehalt Von Rocken, Haber oder Kleyen Das Wächteramt mir zu verleihen.

Er senkt das Ohr und schweigt. Alsbald Wird seine Bitte placidieret; Der Esel wird durch Stab und Horn Zum Stundenrufer investieret,

Und ein Gehalt von Heidekorn Wird ihm in Gnaden assignieret. Die Nacht bricht ein. Wie Boreas Ruft er: ihr Herren, laßt euch sagen ...

Dem Hof gefiel der neue Spaß; Doch, als der Seiger Eins geschlagen Und er noch rief, da fieng der Chan Den Schreyer zu verwünschen an;

Und Luna gieng noch nicht zur Neige, So bot er durch ein Windspiel ihn Auf seine Burg. Das Thier erschien. Geh, friß dein Korn daheim und schweige.

So sprach der Fürst und ließ ihn ziehn; Und so entstanden in dem Staate Die fetten Hofkanonikate Für Eseln, die auf Polstern ruhn,

Und Sold beziehn um nichts zu thun.

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Der Esel · Gottlieb Konrad Pfeffel · Poetry Cove