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1782

Der Bär und der Löwe

Gottlieb Konrad Pfeffel

Mein Prinz, bey jedem Zug der Gnade, Der dir entstrahlt, denk ich entzückt: Er wallt auf seines Vaters Pfade, Der wie ein Gott sein Volk beglückt.

Dein Herz ist groß, aus Herrmanns Lenden Stammt keines, dem an Huld es weicht. Nur werd es nie in deinen Händen Zur Dose, die man jedem reicht.

Zur Zeit des alten Chronos blühte Ein König auf der Thiere Thron, So zahm, so mild, so voller Güte, Als je des frömmsten Lammes Sohn.

Nichts als belohnen und vergeben War dieses Fürsten Leidenschaft; Auch ward in seinem ganzen Leben Kein Frevler mit dem Tod bestraft.

Auf einem Zug durch seine Reiche Traf einst der thierische Trajan Im Schatten einer hohlen Eiche Den Nestor aller Bären an.

Man rühmte diesen Eremiten; Es war die Fackel seiner Zeit, Von strengen aber rauhen Sitten, Und gar kein Freund von Höflichkeit.

Der Großherr sprach zum finstern Greise: Ich habe viel von dir gehört; Man sagt du seyst der größte Weise, Und ich erkenne deinen Werth.

Komm, folge mir nach meinem Schlosse; Der Wechsel wird dich nicht gereun, Du sollst mein Freund, mein Tischgenosse Und mein geheimer Staatsrath seyn.

Ich danke dir für deine Gnade, Erwiedert ihm der Philosoph; Denn die genießt in gleichem Grade Der arge Fuchs an deinem Hof.

Ein Schloß, das Buben in sich fasset, Hat für den Weisen keinen Glanz, Und wer nicht ganz das Laster hasset, Der liebt die Tugend auch nicht ganz.

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