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1785

Der Aeronaute

Gottlieb Konrad Pfeffel

Freund, dessen Hand am stolzen Fuß Des traubenreichen Vogesus Ein Segel durch die Wolken führte; Als man mit skoptischem Geschrey

Am Harz noch immer demonstrierte, Daß diese Fahrt unmöglich sey: Laß dir von meiner Muse sagen, Was mit dem Schöps sich zugetragen,

Den Mongolfier auf gutes Glück Zu seinem Luftkundschafter machte, Und den sein günstiges Geschick Gesund aufs Land zurücke brachte.

Zwar hat schon Fama dich belehrt, Daß Ludwigs huldgewohnte Hände Mit einer stattlichen Präbende So fort den neuen Cook beehrt:

Doch dieses, Freund, blieb dir verborgen, Daß ihm ein Leu entgegen kam, Als er an einem schönen Morgen Besitz von seiner Stelle nahm.

Was will der Schöps im Königsgarten? Rief der Numide, fort mit dir, Alltagsgeschöpf! Sonst wird dich hier Der Tod des Marsias erwarten.

Nun, nun, blöckt ihm der Hammel zu, Mein guter Freund, hör auf zu schnarchen, Ich bin ein seltners Thier als du Und auch ein Pfründner des Monarchen.

Du siehst, hier hob er seinen Ton, Den ersten Schöps, der durch die Lüfte Mit einer zwilchnen Gondel schiffte Und kecker als Bellerophon

Sich bis ins Reich der Sylphen wagte. Vergebung, sprach der Leu, man sagte Uns viel von deinem Ritterzug: Allein was hast du dort gesehen?

Gesehen, Freund? In solchen Höhen Sieht unser einer nichts. Genug, Daß ich das Wolkenmeer durchkreutzet, Und daß mein großes Beyspiel nun

Die feigen Philosophen reitzet, Den kühnen Schritt mir nachzuthun. Kaum kam ich von der Fahrt zurücke, So drangen sie mit gleichem Glücke

In einem fliegenden Gezelt Durch des Olymps saphirne Schranken Ins Heiligthum der Oberwelt: Und alles das, so schloß der Held,

Hat doch die Menschheit mir zu danken! Gut, sprach der Thiere Großsultan, Das will ich dir nicht widersprechen: Oft schickt man einen Schöps voran,

Dem klugen Kopf die Bahn zu brechen.

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