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1785

Das Schaf

Gottlieb Konrad Pfeffel

Ein Fleischer riß ein Lamm im Schlaf Vom Euter seiner frommen Amme: „Grausamer, ächzt das bange Schaf, Stoß, ungetrennt von meinem Lamme

Auch mir dein Meßer in das Herz!“ Nein, rief der Mann mit bitterm Scherz, Ich muß dich erst noch fetter machen. „Du mich?“ erwiedert, mit dem Schmerz

Der Niobe, die arme Mutter: „Das wirst du nicht.“ Von nun an aß Sie keinen Halm von ihrem Futter Und trank nicht mehr. Der Fleischer sahs

Und trieb sie schon am vierten Tage Zur Würgbank: lieber schlacht ich dich, Als daß ich dich zum Schinder trage, Sprach er. „Da siehst du's, Wüterich;

Versetzt das Schaf mit heitrer Seele, Es ist auf Erden kein Tyrann So mächtig, daß er dem befehle, Der sterben will und sterben kann.“

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