Skip to content
1854

Die böse Stunde

Betty Paoli

Die Stunde, die nicht Wachen mehr, Und noch des Schlafes Gut nicht spendet, Sie ist's, die aller Foltern Heer Verräth'risch gegen mich entsendet.

Ob mich der Blitz des Himmels trifft, Willkommen biet' ich den Gewittern! Doch jener Stunde schleichend Gift Macht mein gestähltes Herz erzittern.

Da sind die Waffen hingelegt, Womit ich muthig kämpf' am Tage, Die hingeschied'ne Sehnsucht regt Sich leis' in ihrem Sarkophage.

Da strahlt voll schmerzenreicher Huld Dein Aug auf mich im Liebesscheine Und fragt mich: Wessen ist die Schuld, Daß du nicht mein, du ewig Meine?

Da übertönt dein süßer Laut Des Lebens tosende Orkane, Und fragt: Du meine Geistesbraut! Liebst du mich auch, wie ich es ahne?

So ruft's, und jeder Natter Stich, Das tiefe Elend ist vergessen! In wilder Inbrunst möcht' ich dich An meinen Busen jauchzend pressen.

Mein Geist flammt auf zu Gottes Lob, In meinem Aug' glänzt eine Zähre, Mein Herz erbebt und schwillt, als ob Ich nicht schon längst gestorben wäre.

Hinweg du böser Spuk! zurück, Du bängster von den Schrecken allen, Um ewig unerreichbar Glück Ruh'los, ein irrer Geist, zu wallen!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Die böse Stunde · Betty Paoli · Poetry Cove