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1856

1.

Louise Otto

Wohl denk ich selig meiner Kindheit Tagen, Da ich gespielt mit Vögeln und mit Blüten, Wo in der Mutterarmen treuem Hüten Mir alle Paradiese offen lagen.

Wo ich die ersten Bücher aufgeschlagen, Mich drein versenkt mit ernsthaft stillem Brüten, Bis meine bleichen Wangen heiß erglühten Von meines Volkes schönen Heldensagen.

Dann sprach die Mutter: „Kind, es sind Gedichte. Vergiß es nicht: all' was du hier gelesen, Zeigt dir das Leben oft in anderm Lichte.“ Warum denn unterscheiden Sein und Wesen?

Nein, Mutter – meinen Glauben nicht vernichte! Dann krankte ich und könnte nie genesen!

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