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1597–1639

Sonnet, Vff einen Kuß.

Martin Opitz

Nach aller meiner Noth nach so viel Angst vnd Klagen Nach Seufftzen Ach vnd Wehe nach schmertz vnd trawrigkeit Nach dem wodurch mein Hertz befandt sein höchstes Leidt Ist doch mein Lieb bewegt mir eins nit abzuschlagen.

Ich mag gewißlich wol von gutem Glücke sagen Ich bin durch jhren Mund zu letzte noch erfreüt Ein Nectar-küssichin ward mir nach langem Streit Die grosse Gunst hab ich dannoch davon getragen

Der Tau der süsse Tau der auff den Lippen schwebt Der Tau der süsse Tau dadurch mein Geist noch lebt Thut alle meine Furcht thut Noth vnd Trauren scheiden. Ihr Götter die jhr seht auff alles dieser Erdt

Diß vbergrosse Freud mir nit zum ärgsten kehrt Der Kuß ist wol verkaufft vmb all mein bitter Leiden.

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