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1597–1639

Ode Von deß Todes gewißheit vnd der Tu- gentvnsterblichkeit.

Martin Opitz

Mann findet nichts vollkommen in der Welt Wir Menschen sein mit sorgen pein vnd plagen All orch vnd Zeit in Stätten auff dem Feldt Vom Himmel Lufft Meer vnd vns selbst geschlagen:

Ja auch der Götter Macht Hat jhr Wohnung vollkommen Vnd Seelig nit gemacht. Wer hat nicht wargenommen

Wie Sonn vnd Mon gemein Verfinstern jhren schein? Vnd wie deß Himmels Zeichen Offt Mangelhafft verbleichen?

Mit wie vil angst gefahren müh vnd noth Sein ohn ablaß wir Menschen vmbgegeben? Diese mit List man vbergibt dem Todt Jener Hertzhafft verkrieget selbst sein Leben

Dieser auß vil verdruß Vnd trawren wil verderben Jener erbermlich muß In der Gefängnis sterben

Etlich dürstig nach Gut Fliehen vor der Armuth Vnd jhren Geitz versincken Wann sie im Meer ertrincken.

Diese mit Wasser Gifft Schwert oder Strick Selbst vber sich ein schrecklich Vrthel sprechen Vnd rettend sich von zu schwerem vnglück Zweifflen sie nicht sich wieder sich zu rechen.

Jene kommend mit zwang In dieses lebens leiden Finden gleich den außgang Vnd andre müh vermeiden

Oder sich in jhr Grab Ehe sie einige Gaab Deß Tags Seelig genießen In Mutter Leib beschließen.

Der Todt gewiß klopffet mit einem Bein An grosser Herrn Wolckentragende Schlösser Vnd armer Leut liegende Hüttelein Vnd ist für beed weder böser noch besser.

Den Leib ein Tod allein Mit vnheilbaren plagen Vnentfliehlicher pein Vnd vndienstlichen klagen

Engstiget Tag vnd Nacht Vnd die Seel wird gebracht Vor Mehr pfleget anzusehen.

Der Weg ist breit in das finstere Hauß Offen die Thür daß man hinein stehts gehet Aber wiedrumb zu entrinnen darauß Hierauff das Werck hierauff die Müh bestehet

Der Tugent Weg ist schmahl Mit Dornen wohl verschlossen Gering ist die anzahl Deren die vnverdrossen

Vnd durch der Götter gunst Vnd der Tugent inbrunst Von dem Pöffel entzogen Zu dem Gestirn geflogen.

Der deß Hertz mit Tugent gewaffnet ist Gleich wie Potzheim dein Edles hertz zusehen Der kan deß Glücks zorn Wanckelmuth vnd List Vest wie ein Felß vnzaghafft wiederstehen:

Er ist allzeit forchtloß Vor dem Strahl vnverblichen Weißheit macht sein Hertz groß Stets sigreich vnverglichen

Er der für seinen Lohn Sucht der Seeligkeit Kron Vnd sich selbst vberlebet.

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