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1597–1639

Lobgesang Jesu Christi.

Martin Opitz

Das Wort war vor der Zeit bey Gott von Gott erlesen Vnd selber Gott mit Gott dem Vater in dem wesen: Doch gleich so wol der Sohn: der von dem Vatter hat Gewalt vnd Herrligkeit: des vatters wort vnd raht.

Vnd da des Himmels Baw mit Wolcken ward vmbschlossen Der tieffe Grundt der See mit Wässern vbergossen Die Sternen in der Lufft gesetzt in jhren standt War er des Vaters hülff vnd seine rechte Handt.

Er war der anbegin der anfang aller sachen Er war in dem begin halff alle dinge machen. Er war das ware Liecht: daß Liecht so vnverwacht Kam in die finsternüß kam leuchten in der Nacht.

Auß eigentlicher Krafft in dieses Elendt kommen Verworffen vnser Fleisch vor vns den Todt genommen. Vnd darumb ist er Gott: weil seine Menscheit kömpt Nur von der Gottheit macht vnd von sich selbst bestimmt.

Ist worden wahrer Mensch vnd wahrer Mensch gebohren Auß eigener gewalt: Er hat das Fleisch erkohren Da er war ohne Fleisch: Er hat durch seinen Raht Noch wahrer Gott allein genommen diese statt.

Eh’ als er Mensch noch war eh’ als die Menschen waren Beschloß er bey sich selbst vor sie herab zue fahren Zue werden das wir seyn. so rhürt die Sterbligkeit Von dem so ewig ist so war vor aller Zeit.

Denn er die Weißheit war des Vatters vnd das Leben In allem was da lebt; der allen hat gegeben Ihr wesen lauff vnd art: eh Sonn vnd Mondens schein Die Augen dieser Welt geschaffen worden sein.

Eh als die Weltgehört von Monden oder Tagen Eh als sie selber wahr wahr Gott mit jhm vertragen Der Vatter mit dem Sohn: das vollige gewalt In allem was er hat dem Sohn jst heimgestallt.

Der Vatter vberall der Sohn zuegleich in allen Des Vatters Ebenbildt des Vatters wolgefallen Gott selbst ein ewig Gott. doch ob wol nicht vorhin Der Vater gab dem Sohn als Vater den begin.

Auß jhm vnd nicht nach jhm. Wie wolten wir doch mahlen Die tieffe heimligkeit? Sih’ an der Sonnen stralen Sie scheinen nicht zuevor sie sein auch nicht nach jhr Mit jhr vnd aus jhr doch. so geht es auch allhier.

Was schiffen wir so hoch? ich bitte laßt vns reichen So weit es sicher ist vnd für den klippen weichen. Ein Pferdt das vngezäumt sich braucht der grossen macht Hat seinen Meister bald zue leid vnd fall gebracht.

Die von der erden gehn vnd auff den Himmel dencken Sind ohne Ruder auff vnd wissen nicht zue lencken. Der Ancker ist hier guet. des Menschen schiff vergeht Der blind vnd vnbedacht nach Gottes Weißheit steht.

Nach dem das schöne Feldt in Mit vnerschöpffter lust vnd frewden vbergossen Das Vnd wegen jhrer schuldt der Garten ward versagt

Kriegt er den segen nicht durch Gottes Zorn vertrieben Hat sich vnd vns gestürtzt ist Arm vnd dürfftig blieben Dem gueten gram vnd feindt besudelt vngesundt Verändert vnd verfälscht verderbet in den grundt.

Im Menschen ward der Todt vnd mit jhm auch gebohren Verlassen von jhm selbst vnd durch jhn selbst verlohren; Durch Mitt

Noch ließ der grosse Gott sein Vatterhertze wallen Voll von Barmhertzigkeit: daß Er hat jhm auff der stett da alles war verzagt Die hohe werthe hülff vn mittel zuegesagt;

Das er vnd sein geschlecht nicht ewig solten schweben In solcher Trawrigkeit vnd stets verbannet leben: Des Weibes samen würd in seiner Zeit entstehn Dem Feinde mit gewalt vnd macht entgegen gehn

Zertretten seinen Kopff zuestören überwinden Den argen Seelen feind den reitzer zue der Sünden. Diß grosse thewre Pfandt der schatz ward auff der fahrt In Gottes Sinn versaßt beschlossen vnd verwahrt

Gezeichnet fest gemacht besetzt an allen enden Mit siegeln von Demant: in Gottes Sohnes Händen Gelegt in seine Schoß als rettung in der noth Als mittel vnd Artzney für Teuffel Hell vnd Todt.

Vnd da die grosse Flut von oben abgeschwemmet Floß vber alles Volck da alles ward verschlemmet Vnd da die wilde See biß an die Wolcken trat Vnd zu den Sternen selbst sich auffgeschwellet hat

Ist Noa vnd sein Hauß auff diesem Block geschwommen Beschlossen in ein holtz herauß auch wieder kommen: Vmbgeben von der Flut getrieben durch den sund Zwar ausser Menschen trost doch inner dem verbundt:

Den du hernach sehr klar mit Abraham thetst machen O grosser Menschenfreundt vnd richter jhrer sachen. Von da an ist der Mensch gewesen allbereit Dein wünschen deine lust sinn vnd ergetzligkeit.

Iehova sey gelobt: du hast auch da begonnen Zue dencken auff dein werck deß Vaters sinn gewonnen Der vber Adams schuld ergoß deß eyfers Meer. Du bist Emanuel von diesen zeiten her:

Bist kommen da wir sein den Himmel schier vergessen Hast Abraham gezeigt das Landt so er besessen Hast sicher jhn geführt geleitet mit der Handt. Der alte Vater gieng in vnbekandtes Landt

Durch glauben nur allein: Hat Isaac gebohren Deß segens grossen stam̃ die wurtzel dir erkoren: Von dem kam Israel der starcke kühne Heldt Der Heldt so wider dich zur wehre sich gestellt:

Gleich wie ein Jüngeling von süsser brunst entzündet Geht seinem Liebe nach: seufftzt wan er sie nicht findet Sein Hertz’ im Leibe bricht: er ist auff sie bedacht Wann alles lebt bey Tag’ vnd alles schläfft bey nacht:

Geht vberall ihr nach mit eusserstem verlangen Bewahrt sie siht sie an von jhrer huldt gefangen: Sein Augen stehn auff sie: der Geist ist jhm beschwert Kömpt nimmermehr von jhr biß sie jhm wird gewehrt.

So wahr es auch mit dir: da Joseph lag begraben Vnd dein bedrängtes Volck das joch getragen haben Da hast du sie befreyt: du hast sie für gefahr Bewahrt geführt beschützt biß in die viertzig Jahr:

Verköstet vnd erquickt beschirmt zue allen seiten Sie lassen durch die flamm’ in Waldt vnd Büschen leiten. Mit Wasser aus dem Stein’ vnd Brodten aus der Lufft Das Volck das Grosse Volck erhalten vnverhofft.

Ja wieder den gebrauch vnd aller Länder sitten Bewiesen deine gunst. in jhren Leib geschnitten Der wahren zukunfft psandt: gegeben in den mundt Wie du noch jetzund thust den eusserlichen bundt.

Die wüste See gelegt die Wässer auffgehangen Das Jacobs Kinder gantz sind trucken durch gegangen Wie vber festes Landt. der Pharao versanck Vnd alle seine macht vnd Reuterey ertranck.

Dann Richter eingesetzt dann König’ außerkohren Vnd auch den grossen Heldt von In ewigkeit gekrönt vnd nach jhm Das Volck durch grosse noth gebracht aus

Durch Ierusalem erweckt sich wie der lassennehren: Vnd wiederumb das Volck durch Vnd grosse freundligkeit erquickt vnd auffgericht.

Hast offtmals angesagt du woltest kürtzlich kommen Wie du dir vor der Zeit aus liebe vorgenommen Biß das der groffe raht so offt vnd viel berhürt Bezeuget vnd ernannt ward endlich außgeführt;

Das der Gott Ihm selbst solt’ ein gesetz’ vmb vnsert willen machen; Zue werden das wir sein: vnd das der feindt der Welt Würd’ in dem schlechten schein’ vnd nidrigkeit gefellt.

Die Botten die rundt vmb den Himmel allzeit schweben Vnd sich zue deinem dienst’ ohn vnderlaß begeben Seind willig vnd bereit. Der schöne Kömpt von dem Himmel her auff deinen anbefehl

Nach Der Juden bestes Landt: ist durch die lufft gefallen Hat sich herab gemacht durch dein gebot vnd raht Biß hin in Nazareth der Galileer Stadt.

Alldar die grosse Braut des Himmels war zuefinden An die er war gesand die Botschafft zue verkünde. Ihr Hertz war voll von Gott sie hielt in jhrer handt Sein wort vnd seinen bundt. der Himmlische gesandt

Vnd Heroldt studt vorjhr; der durch den weg gezogen Der vngebähnten lufft kam plötzlich hergeflogen Gesendet durch den Printz vnd Fürsten den niemandt Als in dem geist’ allein vnd hertzen hat erkadt.

Gleich wie der Mensch im traum wird offtermals was innen Schläfft halb vnd wachet halb kan doch sich nicht besinnen Weiß von sich selber nicht siht nur was für sich gehn: So sieht die reine Magdt den Jüngling bey jhr stehn.

Sein haar ist noch betawt die Lufft hat jhn befeuchtet Vnd des gewülckes naß; sein Angesichte leuchtet Die wangen sind schneeweiß wie wann der Sonnen liecht Zue abend’ vndergeht vnd wann der tag anbricht.

So bracht’ er jhr den gruß mit worten voller machten Die Gott (owunderwerck!) jhr in den Leichnam brachten. Biß einen Sohn die Fraw so eine Jungfraw war Vnd jhren Vaterselbst ein Menschenkindt gebahr.

Der vor dem Himmel war der See vnd Meer verschantzet Der diese weite Welt mit seiner Handt gepflantzet Der zierlich auffgeführt den Him̃lischen Pallast Der Künstler dieser Welt kömpt wird in jhr jhr gast.

Der erbsaß’ vber das so vberall zue finden Der mit dem Blitze spielt derruffen kan den winden Der mit des Donners macht das gantze Landt erschellt Vnd biß zue wurtzel auß die Bäwme niederfellt:

Der nicht gebohren ist doch vor der Zeit erzeuget Ohn anfang maß vnd ziel vor dem die Welt sich beuget Der biß zum Himmel reicht der auff den Wolcken reitt Iehova ohne nam beschleußt sich mit der Zeit:

Beschleißt sich kompt zu vns wird von der Magd empfangen Vnd auff die Welt gebracht. sie wachet mit verlangen Sie wartet auff die zeit sie steht in frewd’ vnd scham Verstummet das Gott wird jhr Sohn vnd Breutigam.

Der Monde wahrneun mal mit newgespannte Pferden Gelauffen vmb vnd vmb den runden kreiß der Erden In dem die Jungfraw trug: Hatt’ vnder sein gebiet die Juden auch gebracht:

Der diese gantze Welt zum erstenmal verschrieben: Der fromme Joseph kam zuegleich mit seiner Lieben Gab seinen namen auch. der Weiber kron vnd zierdt Maria ward von jhm nach Bethlehem geführt:

Wo Noch schlecht vnd vnbekandt die Schaffe mussen weiden: Biß daß der Himmel jhm vor seinen Hirtenstab Den Scepter vnd die Kron der ewigkeiten gab.

Allda er zuevorhin von Gottes Geist gezwungen In seinem Geist’ entzündt manch schönes Liedt gesungen Von dem der jetzundt kömpt: der König vnd der Hirt Der selber nun ein Mensch vor alle Menschen wird.

So kamen sie dahin. die Sonne wargereiset Biß daß sie stille steht vnd jetzt zue rücke weiset Die Pferde nach vns zue: da Den angenemmen Tag vnd schöne liecht wegraubt.

Den Flecken sie erreicht durchflogen von dem Regen Vnd von dem strengen Schnee vnd von den langen wegen: Insonderheit die Magd bey der Gott eingekehrt Hat einen kleinen platz zue jhrer rhue begehrt

Von vielen nicht gekandt von andern auch vernichtet Wie dann die schnöde Weltgar vnbedachtsam richtet. Kein örtlein war mehr da. muß ligen in den Stall Wird Mutter bringt das Kind so HErr ist vberall.

Iehova kömpt züe spat. nach dem viel alter Väter Vnd Botten vorgesandt: die welt ist voller Götter Das Erdtreich ist zuetheilt man rufft sie an in noth Die Götter zunfft ist groß vnd mangelt doch an Gott.

Neptunus hat im Meer die volle macht bekommen Sein Bruder Der dritte hat die Höll’: hier ist der Schäffer Sie zweiffeln wie sie wol mit so viel Götzen dran.

Die Blindtheit ist auch nicht mit worten außzuesprechen: Sie feyren jhre sünd’ vnd eigene gebrechen. Dann Vnd

Der Oberst’ vber sie ist fleissig nach zufragen Vmb schönes Weibes volck mit jhnen sich zue jagen: Er lesst den Himmel stehn voll schändtlicher begiehr Wird bald ein weisser Schwan bald wird er auch ein Stier.

Was alle Welt sonst strafft von dem man nie gehöret Was wider die Natur das wird zue Rom geehret: Sie bawen Kirchen auff sie feyren vnbedacht Was sonsten jederman verhöhnet vnd verlacht.

Vnd wo der Römer reich vnd herrschafft hingewichen Die jhren narrentandt geerbet von den Griechen Gehn auch die Götter hin. der starcke Persier Lesst seine Sonne stehn nimpt diese Götter her.

Vnd da Harmeckicht brückeloß mit wüstem sturm’ vnd brausen Vnd da das kalte Volck vnartig auff dem Feld Vnd auff den Wagen lebt zu niemand sich gesellt.

Athen das weit vnd breit mit seiner Kunst erschollen Hat jhm ein eigen fest bey nacht erdencken wollen: Läufft nach Mit stiller Heiligkeit vnd wenigen bekandt.

Egypten gleichfalls auch lesst seine thorheit spüren Vnd sucht Das weitberhümbte Kalb an einer seiten bundt Den wilden Crocodil

Iudea Gottes hauß muß im gesetze wachen Helt vil auff Doch anff Ist niemand der in sucht vnd der jhn zue sich nimpt.

Sie wündschten sehr nach jhm sie zehlen alle tage Ihr keiner ist der nicht von seiner zu kunfftsage: Stehn allzeit auff der hut vnd wachen ohne rhue: Nach dem er aber kömpt sind alle thüren zue.

Die Welt ist gleichsamblind die Welt ist gantz entschlaffen Kennt auch denselben nicht der doch sie hat geschaffen. Der Herscher vber See den Himmel vnd die Höll Ist in dem seinen frembd’ vnd selbst in Israel.

Der Himmel schämet sich die schönen Engel fliegen Von dannen zue vns her sehn jhren Printzen liegen Geworffen in den Stall. die Sternen werden bleich Das der so niedrig ist dem niemand doch ist gleich.

Die bänder des Gestirns die durch die grosse Schantzen Der vnbepfählten lufft stets in bewegung tantzen Die beben. sonderlich der eine Stern von dar Tritt vber seinen Kopff nimpt seines Meisters war:

Geht aus es kundt zue thun den Weisen zue verkünden Die ferren sind von dar wo sie jhn sollen finden Vnd jhm sein’ ehre thun. noch eh der Tag anbricht Fellt auß der hohen Lufft der Engel klares liecht.

Die newe Reuterey der starcken Himmelshelden Die allzeit stehn vor Gott vnd seinen ruhm vermelden Belägeren das Hauß so vnwerth vnd so klein Vnd machen sich herab zue jhrem Capiteyn:

Vnd sagen frieden an verkündigen das leben Das nun den Menschen wird in ewigkeit gegeben; Zue Gottes ehr’ allein: vnd singen einen thon Der aus dem Himmel fleußt nicht aus dem

Nicht ferren von dem ort’ vnd für der Mutter füssen Tritt Der nun geboren war mit Der weggeht wiederumb gantzlustig vnd erfrewt.

Nun geht jhr Kinder geht vnd lehrt die büsche singen Ein Lied ein Wunderlied von vnbekandten dingen: Das Vnd eine newe weiß’ hierauff ihm hat erdacht

Das Das Das er so artlich spielt nach seiner leyerkunst Nicht

Noch Mit dem man sonsten pflag sich weit vnd breit zue üben. Ihr Lied war von der Braut so newlich in der nacht Hatt’ jhren Vater selbst auff diese welt gebracht.

Der fromme Vnd weiß nicht was er thut: denckt wie doch diß sein können Verw undert vber Gott. wann er das Kindt beschawt Siht er die Jungfraw an so jhm vorhin vertrawt.

Die Jungfraw so da sitzt mit heiligkeit vmbgeben Vnnd wie im Himmel selbst siht allenthalben schweben Die gläntzend’ Engel schar die mächtig Himmelskrafft; Ist vberall vmbringt von Gottes Bürgerschafft.

Bald sieht sie auff das Kindt bald lesst sie höher steigen Die Augen muth vnd sinn Gott danckbar anzuzeigen Ihr niedriges Gemüt. kömpt weiter mehr vnd mehr Giebt jhm allein das lob giebt jhm alle in die ehr.

Das Kindt liegt da vor jhr beginnt sie anzublicken Durch seine freundligkeit jhr Hertze zu entzůcken Sie lieblich anzusehn zu bieten jhr die Handt Vnd wirfft jhr vmb den Halß der ärmlinn süsses bandt.

Sie blickt es wider an muß wieder zue jhm lachen Aus Mütterlicher huldt. denckt an die hohen sachen Voll von demütigkeit vnd von gedancken groß Vnd hat jhr Hertz auff Gott der liegt in jhrer Schoß.

Bald wird die Jungfrawschafft jhr zue gemüt geführet Die sie so hoch geliebt die jhr das Hertze rhüret: Vnd offtmals wan sie küßt das Kindt das schöne Kindt Das immer mehr vnd mehr der Mutter sinngewinnt

Bedenckt sie wer sie ist vnd wie sie doch sey kommen In diesen newen standt vor Mutter angenommen. Lesst sincken auff die Erdt der schönen augen liecht Die edle röthe mahlt jhr weisses angesicht:

Die scham bezwinget sie derfrewdigkeit zu wehren Sie bringet an den tag die Jungfräwliche zehren: Die Tochter jhres Sohns voll hoher niedrigkeit Die offte weinen muß in jhrer lust vnd frewd.

Gleich wie der schöne Stern der’s morgendts lesst beschawen Sein purpur angesicht vnd macht den Himmel tawen Durch seinen güldnen schein: vnd wie wann es noch kühlt Die rote morgensonn mit jhrem fewer spielt:

Wie eine rote Roß’ erst jung vnd auffgeschossen Wird durch die kalte nacht mit weissem taw begossen; So war sie auch von glantz vnd herrligkeit erfüllt So war von threnen naß das edle rosen bildt.

O Mutter vnd zuegleich auch Jungfraw laß doch fahren Die sorgen: dann dein Sohn der wird’ dich selbst bewahren Vnd deine Jungfrawschafft: Gott hat dich außerwehkt Gott hat dich selbst gefreyt den Himmel dir vermählt.

Laß sehn dein Mutterhertz. Ey liebe ey erwecke Dein freundliches gemüt dasselbe nicht verdecke. Ob er gleich jetzund ligt arm elend kalt vnd bleich Ohn herrligkeit vnd macht ist er an macht doch reich:

Die Sonn’ ist vnter jhm: der Monden mit dem wagen Kehrt ein in seinen hoff: den nächten vnd den tagen Vergönnet er sein Hauß: das Goldt so für vnd für In

Orion geht durch jhn in diesen schönen wegen Geschickt auff seinen dienst steht mit dem blossen degen Der wagen helt auff jhn wan er nur eines winckt Der aus der kalten flut der

Begraben in das stro ist vber alle sachen Dadurch jhr Rom die Welt darff vnderthenig machen: Geleget in die kripp’ erkältet arm vnd bloß Ist vber allemacht der Himmel ist sein Schloß;

Die balcken sind die lufft von Osten biß in Westen: Die Wolcken sein Castell: die grosse See die festen: Die Welt vnd wir sein Hauß: was man nurnennen kan Wo das er ligt vnd geht ist gantz jhm zuegethan.

Laß Laß jhm den Purpurrock als aller länder Herren Mit Sternen außgestickt: die Thonaw vnd der Rein Die neygen sich für jhm so nun gewonnen sein.

Laß jhn in seiner pracht laß jhn hochmütig tragen Biß auff Das köstliche gebäw: von da er rundt vmb sieht Die gantze weite Welt sein’ herrschafft vnd gebiet.

Diß Kindt ligt vber jhm. In freyheit Das Jordanes sey getrost vnd Sion sich erfrew.

Das Vnd seine Palmen trag’ vnd Lorberkräntz’ auffsetze Da Rom so sehr auff pocht die Vnd sie mit seiner Handt in

Biß willekomm o Kindt gesehn an allen enden Verkündigt in der Lufft: durch den sich muß verwenden Des Himmels firmament: die Weisen kommen an Geführet durch dein liecht dich danckbar zue empfahn.

Biß willekomm’ o Kindt gewündscht vor tausendt Jahren Vnd tausendt Jahr darzue; jetzt endtlich wiederfahren Hast jetzt dein volck besucht. bist du nun bey der handt O gast des Abrahams o Jacobs wiederstandt?

O seht wie klein ist doch wie schwach wie gantz verlassen Den Cherub nicht bedeckt vnd nicht vermag zue fassen. Der so den Himmel füllt der alle Welt ertregt Wird mit der Handt gefaßt vnd wieder hiengelegt

Der grosse Capiteyn für dem sich alle schewen Der wagen Israels vnd jhre Reutereyen: Ihr Bollwerck jhre Schantz’ jhr Meister in dem Feldt Der Feldtherr seines Volcks vor dem sich nichts enthelt.

Der ohne Spieß vnd Pfeil ohn einig Roß vnd Wagen Viel tausendt Männer hat auss eine nacht erschlagen Dem stoltzen Vnd mit gewalt erlöst Jerusalem aus noth.

Biß willekomm o Kindt an allem ort gepreiset Wo Von Der schönste den man find von

Du edle Rose du holdtseligster vor allen Wie vnwerth bist du doch? wie bist du so verfallen? Vnzierlich vngeehrt. hier lieget der sonst steht Viel höher als der Mond’ vnd als die Sonne geht.

O Fürst aus Mit Honig da sie gar von keinem Winter wissen Da immer Blumen stehn: wer hat dich so verwirrt? Wo bist du doch jetzund? wie hast du so geirrt?

Bist kommen ohne Kleidt in diesen strengen tagen Durch gangen von dem Wind’ hast schnee vnd frost ertragene In dem die kalte lufft in alle glieder schleicht Der Mensch zue eisse wird vnd

Ach das die Töchter doch von Die Kleider vber dich dein Läger zubereiten. Ach das der scharffe Nort so prauset ohne rhue Ach das das bitter’ eiß dir ja nicht schaden thue.

Ach das des Adams Söhn jetzt kämen zugelauffen Die du nun wiederumb vom Sathan mußt erkauffen Vnd schawten in dem Stro des Himmels höchste zier Vnd alle truckneten die threnen ab von dir.

Das Wann er auff Vnd blase wo du bist: der gantze Himmelsbaw Komm’ her an diesen orth mit seinem süssen taw.

Ach das der Winter sich mit seinem greisen haare Verender’ in den Lentz jetzt schloss vnd kälte spare. Ach das der Sommer doch dich kenn’ vnd komme her. Ach das das lange Jahr sich lieber gantz verkehr.

Ach das die Bienen sich an diesen platz begeben Vnd vmb den süssen mundt vnd kleine lippen schweben Die nichts als Manna sind vnd besten Zuckers voll Darauß die rechte lust des hertzens fliessen soll

Vnd trieffen vber vns. ach das doch in der summen Die Blumen allerhand auff diese krippen kommen Vnd krönen jhren Printz bezeugen allerseit Das du jhr Meister bist das du bist Herr der Zeit.

Die Kinder auch der Lufft die Vögel sollen springen Hier inner diesem Stall’ vnd lieblich bey dir singen: Biß willkomm biß willkom̃: das jeder so beweist Das du bist der sie nehrt das du bist der sie speist.

Ach! ach! der anbegin ist anders nichts dan leiden Dann pein vnd groß verdruß. man soll das Kindt beschneiden: Die Jungfraw treget es. jhr Mütterlicher sinn Gibt threnen vor das Blut gibt jhre gaben hin

Bezahlt sein’ erste pein muß kauffen seine wunden Vollbringen das Gesetz’ ob gleich er nicht verbunden Mit Sündenwie sonst wir: sie selber bringt jhn dar Vnd sieht dem wercke zue. diß war sein newes Jahr.

Herodes schnaubt vnd tobt gedenckt jhn vmbzubringen Vnd als er innen wird es wolle nicht gelingen Erwürget der Tyrann die Kinder groß vnd klein: Diß arge Blutbadt muß sein willekommen sein.

Sey willkomm hier bey vns. das jederman sich ziere Das diesen Tag begehn die Menschen vnd die Thiere. Die See sey ohne Schiff der Himmel ohne Wolck Die Winckel ohne Werck die Strassen ohne Volck.

Der Bawer so fortan sein Feldt wird sollen pflügen Lass’ jetzt die Pferdte stehn den Pflug vnd Ege liegen: Der Kriegsmann sein Gewehr. die Lehrer halten inn Mit jhrem newen streitt von Gottes tieffem sinn.

Biß willekom o Kindt das Simeon thut singen Macht Zacharias stumm. Ich seh Johannes springen Vnd hüpffen auff dich zue vor grosser wonn’ vnd frewd: Er wil zu dir eh er vnd du gebohren seyd.

Du solst gehn auff den Berg die stimme lassen hören Wie du zuevor gethan vnd dein gesetze lehren In grosser herrligkeit gesessen bey der lufft Auff deinen hohen Stuel den völckern zuegerufft.

Der vormals das Gesetz’ auff Solt’ es jetzt wiederumb von newen wiederholen Auff Nicht lange zeit hernach gar kürtzlich eingefaßt

Schier in ein wort gebracht: ErST GOTT VON HER TZEN GRUND, VON GANTZER (kRAFFT UND SINNEN; DeN NECHSTEN ALS UNS SELBST. Wer dieses hal-

(ten kan Der ist schon außgelehrt vnd hat genug gethan. Biß willkomm hier bey vns. ich seh den Teuffel ziehen Vnd lauffen vor dir weg die Kranckheit gleichfalls fliehen:

Die Blinden wieder sehn: recht gehen her vnd hin Die lahm vnd krüpel sein. O grosse Du solst durch deine macht viel tausendt Männer speisen Du solst die Todten selbst aus jhren gräbern weisen

Vnd leiten an den tag sie bringen an die Sonn Vnd gantz zuerücke führn auß Du solst die wilde See biß an die lufft gestiegen Mit deiner Augenkrafft bezwingen still zue liegen

Vnd wann es dir beliebt auch auff den wilden Fluß Der Wie auff das truckne Landt. du solst die grossen plagen So von dem monden sein zuestören vnd verjagen

Vnd auß dem Leibe thun verendern in das Liecht In flamm’ vnd herrligkeit dein eigen Angesicht. Den Fischen schaffest du zue schwimmen auff die erden Zue zahlen deine schuldt den Bäwmen dürr zu werden:

Vnd Verwandeltseine krafft in angenemen Wein. O grosser Menschenfreundt eh als du bist geboren O starcker Menschenschutz nach dem er war verlohren

Was hast du nicht gethan was hast du nicht gemacht Zue seiner hülff vnd trost? was hast du nicht bedacht? Doch sonderlich das Volck auß Israel entsprossen Mit Butter vnd mit Milch vnd Honig vbergossen.

Wannher kömpt dann jhr haß jhr grosser eyffer nun Die falschheit des gemüts jhr frevel den sie thun? Wer hat diß volck gemacht? wer hat sie doch erzeuget? Hat sie die wüste See in jhrer Schoß geseuget?

Hat eine Löwinn sie geworffen in der Heidt Das sie den creutzigen der sie liebt jederzeit? Der jhnen zuegesagt verkündigt angewiesen Beschrieben angelobt vor langer zeit gepriesen

Der Vater seines Volcks: das weitberhümbte Lamm Bekandt Egypten durch vnd in dem Lande Der grosse wunderstern der Zue Moabs vntergang gezwungen jhm zue dienen:

Den er verkündigt hat: der Juden Kriegesheldt Viel Jahre vor der Zeit eh er kam auff die Welt. Judea gantz verstockt Blutgierig Blindt ohn ende Ermordet jhn noch selbst legt selbst an jhn die Hände

Geht wieder alle recht durchbohrt mit eygner handt Der von dem Himmel wahr zue jhnen hergesandt. Der mit der gantzen last des Vaters vngenaden Vnd vnser bösen that hengt an dem Holtz beladen

Gepreßt verspeyt gedrückt veracht geschmäht verspott Verlassen von der Welt vnd wegen jhr von Gott. Das alles was hier ist siht seinen schöpffer hangen Die Himmelweite Lufft doch klein jhn zue vmbfangen

Vnd wird nun mit gewalt (o leidt o grosse noth) Gezwungen anzuesehn jhrs eignen Vaters todt. Die Sonne flohe vor: der Himmel gantz bestůrtzet Der hat sich fort gemacht der Welt das Liecht verkürtzet

Vnd als er zugesehn das er sein Haupt geneigt Hat er den tag verdeckt vnd schrecklich sich erzeigt Der fürhang in der Kirch’ auffs künstlichste geweben Mit schönem Scharlachroth hat einen krach gegeben

Geriessen durch vnd durch: die Stein’ ohn wiederhalt Sind häuffig vmbgekehrt zusprungen mit gewalt. Der Vater Die grosse laßt der Welt auff seinem hals’ erschüttert:

Er war des tragens satt vnd wolte lassen gehn. Natura bebete vermochte nicht zue stehn Sie seuffzete so sehr das es die erd’ empfunden Die Pforten auffgethan die tieffen offen stunden.

Das Erdtreich brach entzwey biß an Vnd Der tolle Ward wütendt vnd ergrimmt rieß drey mal von dem Bande

Ließ stehn das Thor von Stahl so seiner huet vertrawt That seinen rachen auff vnd heulet’ vberlaut. Tisiphone verstummt mit grosser furcht vmbfangen Verwirret siebenmal die abschewliche Schlangen

Der brennende Morast des Speit flocken Fewer auß leßt dampff vnd nebel loß. Gleich als auch Ein’ vngegründte See der flammen in die lüfften

In der Das gantze Landt erbebt vnd wird davon bewegt Trinacria hüpfft auff von starcker brunst gezwungen Der rauch kömpt mehr vnd mehr biß in die Lufft gedrungem.

Die todten hörten es vnd stunden wieder auff Biß nach Die Todten brachen auß vnd giengen selbst zue sagen Zu zeugen vberall das

Ermordet vmbgebracht zuebrochen vnd gefellt Vnd das jhn hab’ erlegt Der mitten durch das Grab den dritten Tag gebrochen. Der Todt lag vnter dir an dem du dich gerochen

Den du verhönet hast der Teuffel sah’ es an Das sich der Himmel dir hat selber auffgethan Das du mit vnserm fleisch den Himmel eingefahren Das erdtreich vnd die See mit hundert tausendt paren

Der Engel sahen an da du durch deine macht Hast vnser Fleisch vnd Blut hoch vber vns gebracht. Von da schickst du den Geist der außgeht von euch beiden Dem Vater vnd dem Sohn von euch doch vnterscheiden

Ist das jhr beide seidt: ist beide das jhr seidt Vnd ist das jhr nicht seidt: mit beiden vor der zeit. Von da du wieder wirst zue vns herunter fallen Vnd lassen die trompet durch alle Welt erschallen:

Zuerichten alles Fleisch das noch auff Erden lebt Vnd das in Finsternuß des bleichen Todes schwebt. Erlöser sey gegrüst der alles hat bezwungen: O grosser starcker Löw aus Israel entsprungen

Aus Vnd der nach Der wiederumb das Feldt in Cocytus zuegestopfft vnd Pytho tod geschossen

Zuebrochen seine macht. O Samen groß von that Der Die riegel abgethan des Teuffels reich gewehret Das sehr gewaltig war das alte joch verheeret

Das Mit tröstlichem gebot; vnd newen bundt gesetzt. Das ende dem Gesetz’ vnd ende den Propheten Das

Das ende dem Gesetz’ vnd wieder der begin: Den Erst In aller seiner noth: dem guten Mann gefchrieben

Ein’ handschrifft in die lufft nach dem jhm gunst geschehn: Die vns zue troste noch garoffte wird gesehn. Den Den

So vieler Feinde krafft: der Den O wahrer Menschen Sohn (so hat es dir gefallen) Vnd zwar der andere deß namens doch für allen:

O nam o süsser nam für welchem spat vnd frü Biß in den Himmel zue sich beugen alle knie. O Jesu süsser Nam süß vber alle wiesen Süß vber Honigtaw noch nie genung gepriesen:

Süß vber alles das was Süß vber alles süß das jergendt jemandt kennt. Süß vber alles süß darauff die Menschen schawen O rechter

Elia sey gegrüßt: durch deine Himmelfahrt Elias in der Lufft vnd Jonas groß von art. Beschnitten vnd getaufft gelitten ohne leiden Gestorben ohne Todt hast nicht Gott mussen meiden:

Als der du selbst bist Gott vnd warest schon bey Gott Da du noch ohne Fleisch vnd mitten in dem Todt. Auff eine zeit bey Gott vnd Gott; todt vnd begraben. Begraben ward das Fleisch mit hocherkaufften gaben.

Die Seele stets bey Gott vnd bey dem Mörder war: Die Gottheit war vnd blieb bey allen beyden gar. Von Gott dem Vatter selbst in deiner tauff gepriesen Als Gott vnd als der Sohn: vnd von dem Geist gewiesen.

Da sehen wir euch drey vnd doch nur eines sein Vnd ob jhr drey schon seyd seyd jhr doch ein’s allein. O rechter todes todt durch den wir heil empfunden Vor dem der Himmel bebt die Wolcken stehn gebunden

Die Sternen halten still vnd zittern all zuemahl: Vor dessen grosser krafft der Printz der schönen zahl Die Fackel in der lufft der Wagenherr der Erden Die brennend’ heisse Sonn vmbgürtet jhren Pferden

Den schwartzen schein dernacht. vor dessen hellen liecht Die grossen O König sey gegrüßt von ewigkeit gebohren Von ewigkeit gekrönt von ewigkeit erkohren

Melchisedech recht gleich. o Priester ohne zeit O ewiger Prophet Levit in ewigkeit: Gesalbter sey gegrüßt mit süssem taw bestriechen Der nimmer wird vergehn der ewig wohl wird riechen

Mit Specerey der frewd mit öl recht angewandt Zue dem dreytopplen ampt zue dem du bist ernant. Messia sey gegrüßt weg warheit vnd das leben Gott’s warheit Gott’s verstand Gott selbst Gott vns gegeben

Das wort der werthe schatz der wunder-ackerßmann Der seine Schauffel tregt das Korn recht worffen kan: Der an den bawm gesetzt die Axt glatt abzueschlagen Die äste so nicht gut vnd keine früchte tragen:

Der bodenlose schatz der Eckstein für das Hauß: Der mit der grossen Faust die Welt spannt auß vnd auß. Das Der erstling aus dem Volck die in der Erden ligen:

Der rechte Friedenfürst der grosse menge voll Der starcken zu der beut’ vnd raube kriegen soll: Derselbe diesen Tag vnd gestern vnd auch morgen: Der Engel in dem rath so lange war verborgen

Der Engel der sein Volck mit offenbahrer macht Hat fridlich vnd in ruhe in Mit schrecken vnd gewalt sich widersetzt den Städten In dem gelobten Land’ vnd Israel vertretten.

Deß Davids deines Knechts Herr Meister Capitein; Der Hirt’ vnd auch das Schaff der Weingart vnd der Wein. Die Fackel vnd das Liecht das denen glantz sol geben Die in der Finsterniß vnd todesschatten schweben.

Das wahre Horn deß heils: die Perle groß von preiß Die Sonn so immer steht die rechte Seelenspeiß. Der Adler der mit krafft biß in das Grab gezogen Vnd wieder mit gewalt vnd macht herauß geflogen

Sitzt vber alles nun. O Schlang’ auß ertz gemacht Durch welche noth vnd quall von vns wird weggebracht. Gewesen von begin von aller zeit vnd jahren: Den in der Löwengrufft hat

Der Vnd grossen Fewersglut mit gantzen kräfften nam. O Vatter laß vns auch die kalten Hertzen brennen Dein’ vnergründte macht zue loben vnd zue kennen:

Laß glüen das gemüt entzünde den verstandt Mit deiner süssen Lieb’ vnd beut vns deine Handt. Laß deinen willen sich in vnserm willen regen; Wir können nichts ohn dich ohn deinen reichen segen:

Ohn dich ist vnser thun vnd armer wille schwach Vnd hanget nicht an dir geht nur dem bösen nach. Geleit vns bleib bey vns laß vns von dir nicht wancken. Ein eisernes Gebet vnd fewrige gedancken

Die dringen durch die Lufft: vnd wan deß Teuffels list Sich an vns machen will laß vns sein wolgerüst Gib vns des glaubens helm bind’ vnser Hertz’ vnd sinnen Steiff an den himmel an laß vns durch dich gewinnen

Wie deine Märterer die mitten durch die pein Gerädert vnd verbrannt zue dir gestiegen sein. Zäum vnsern tollen wahn gib warheit vnserm Munde Thue alle meinung ab die nicht aus festem grunde:

Der du vnfehlbar bist die grundfest’ vnd verstandt Mach’ vns den rechten weg den du gebähnt bekandt: Laß finden was du sagst anheben von derwiege Auffwachsen gleich mit dir: biß vnser Hertze fliege

Gereinigt durch dein Blut durch dein wort new gebohrn An den ort den du dir vnd deinem Volck erkorn. Wir lassen Noch gehen allzueweit warumb doch Gott mißhagen

Zue jhm trug eh er war: nur preisen den der fragt Vnd fleissig nachsucht dem was dir allein behagt: Beginnt von vnten an: will deinen weg erkünden: Den er auch endlich noch wird hier auff Erden finden

Vnd ausser dem nicht geht. das ander ist er weiß Das setzet er beseit biß in das Paradeiß. Da ist die grosse schul’ in der man wird erfahren Deß Vatters tieffen sinn den du wirst offenbahren:

Gesessen auff dem Stuel allzeit vor dich bewahrt: Da ein vnzehlich Volck der Engel steht gepart. Wir nemen Er solt’ im glauben sein eh als er noch gebohren

Noch in der Mutter leib’: vnd schied den Nicht daß es Die ferner wollen gehn die müssen vnten bleiben Vnd jhre zeit mit zanck vnd zweiffelung vertreiben:

Durchgründen deinen raht vnd suchen stets ohn endt Was weder ich noch sie noch irgendt einer kennt. Da wird die flamm entzündt: wir lassen vns belieben Neidt hader hass vnd zorn; da wird von vns vertrieben

Die rhue die süsse rhue die lieb’ vnd niedrigkeit. Wir steigen all zue hoch vnd wollen gar zue weit. Weil wir zum Vater gehn wird vns der Sohn genommen Verlieren den compaß: je mehr wir näher kommen

Je ferner wir noch sein. verlassen Gottes wort Ertrincken in der See vnd kommen nicht zue port: Gleich als Die auff dem boden gehn flog sehr weit von der Erden

Gab Den wagen zue sich nam vnd fuhr an statt der Sonn. Wir haben auff vns selbst zue grosses zuevertrawen Vnd wolln mit Babels Volck biß in die Wolcken bawen:

Verachten gantz den Baum des lebens greiffen an Die frucht der wissenschafft wie Vnd fallen auch mit jhm. wir wollen alles finden Durchtasten deinen grundt der gar nicht ist zue gründen:

Gehn vber den verstandt vnd suchen vnsern fall. Wer aber vnten geht der find dich in dem Stall Für seinen Füssen hier: gleich wie die weisen Persen Die keinen falschen wahn nicht liessen in sich herrschen

Dich suchen wo du warst. sie haben dich von ferrn Verliessen Menschen witz vnd folgten deinem Stern. Laß vns auch eben so befreyt von hohen sorgen Dich suchen da du scheinst nicht da du ligst verborgen

Bedeckt mit schreckligkeit. wie Mit Fewer gantz vmbringt als du mit deiner handt Die Erd’ erschüttert hast trompetten lassen schallen Verkündigt dein gesetz bist auff den Berg gefallen

Bekleit mit Herrligkeit: vmbgürtet mit der flamm Die allen muth dem Volck’ vnd jhr gesichte nam Da Durch dein er stimme Macht schier meinte zuversincken

Aus Fürchte zue vergehn zu schmeltzen gar vnd gantz Vor deiner Majestet vnd vnerhörten glantz Vnd als dich Vnd stehn für Israel vnd auch für jhren Knechten

Dein außerkoren theil dein eigenthumb dein heer Gewassnet mit der lufft vnd mit dem gantzen Meer: Das stracks auff dein gebot erhub die schweren wellen Stundt als ein’ hohe wandt vnd thet sich wieder stellen

In seinen alten lauff. du der du vns gebracht Durch deine niedrigkeit zue deinem reich’ vnd macht. Der du zue vor nur Gott auß gnaden angetrieben Bist worden das wir sein vnd beydes nun verblieben

Hast beydes das wir sein vnd das du warest eh Vereiniget in dir geführet in die höh. So das nun von der Welt die Menscheit auffgenommen Da deine Gottheit ist vnd gleiche macht bekommen

In dir der beydes ist: in vns noch schwach vnd kranck Gleich einer grossen laßt vnd schwerer bürden drang. Die wir nun auch an dich verbunden vnd geschlossen Durch dich gesäubert sein mit deinem blut begossen

Erfrewen vnsern geist vnd trachten jeder frist Zue kommen an die statt da du jetzt selber bist. Vnd auff daß vnser sinn mög’ eines mahles reisen An diesen hohen orth wilst du vns hier noch speisen

Setzst vns an deinen Tisch giebst vns dein Fleisch vnd Blut Ertheilest vns die kost die vber alles gut. Da werden wir nur nicht durch täglich Brodt ernehret; Du giebst die wahre kost die ewig bleibt vnd wehret:

Wir gehn zue dir herauff: es wird dann vnser Hertz Theilhafftig deiner frewd’ vnd fühlet deinen schmertz. Wir springen auß dem Fleisch’ vnd werden gantz entbunden Wir lauffen mit dem Geist biß inner deine wunden:

Wir leschen vnsern durst vnd mesten vns mit lust An dem gebrochnen leib’ vnd blut besprengten brust. Da ist die lust die wir auch sollen nachmals finden Vnd saugen solche Milch die nimmermehr wird schwinden:

Der Seelen nahrunge die nicht vergehen kan: Dein Fleisch erquicket vns o grosser Pelican! Der du dein eigen volck zue speisen vnd zue laben Ge opffert deinen leib vnd wieder dich erhaben;

Ernewert durch den Todt: wir saugen auß den wein Den Wein vom Himmel her biß daß wir truncken sein: In deinem Tode wir erhöhen Hertz vnd sinnen Die alle wiedrigkeit getrost verachten können:

Sind meister vnser selbst vnd brechen auß der bahn: Zuetretten Erlöser sey gegrüßt gesalbter außerlesen Der du wirst ewig sein vnd ewig bist gewesen:

O Vnd auch das letzte gut

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Lobgesang Jesu Christi. · Martin Opitz · Poetry Cove