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1597–1639

Kuß.

Martin Opitz

Einig süßes Mündelein Röter den ein Röselein So Macht auffgehen.

Lefftzen vbertreffend weit Den Taw so die Erden netzet Vnd mit Fruchtbarkeit ergetzet In der süssen Frülings zeit.

Holdseeliges Schätzelein Gib mir so vil Schmätzelein So vil du gibst meinem Hertzen Pein vnd Schmertzen.

Soviel Pfeil der fliegend Gott Wider mein Hertz abgeschossen So vil ich leid vnverdrossen Jammer Trübsal Angst vnd Noth:

So vil man wohl körnlin Sands Am vsser deß Morenlands So vil Graß im Felde stehen Man kan sehen:

So vil tropffen in dem Meer So vil Fisch die Flüsse bringen Vögel durch den Lufft sich schwingen Vnd so vil der Herbst Weinbeer:

So vil schöne lieblichkeit Schmollende Holdtseeligkeit So vil Höfflichkeit vnd Lachen Lieblich machen

Deinen tewren Purpurmundt Wie vil Rosen deine Wangen Wie vil Gilgen machen prangen Deinen Busen steiff vnd rundt

So offt küß mich Nimselein So osst schmatz mich Schimpfelein Laß vns mit einander schertzen Vnd vns hertzen.

Biß ich sag mein Fried mein Frewd Ich kan nicht mehr laß mich gehen So soltu ein weil abstehen Daß ich seusstzend halb verscheid.

Darnach küß mich widerumb Daß noch grösser werd die Summ Stüpff mich auch mit deiner Zungen Vngezwungen;

Die süsser dann Honig ist. Also laß vns Kurtzweil führen Damit wir ja nit verlieren Der Jugent einige frist.

Laß vns nach Wandeln auff der Jugent spur Biß das Alter krum gebogen Komm gezogen

Mit Zittern Kelt Forcht vnd Grauß Welches mit sich auff dem Rucken Viel leids bringet vns zudrucken Biß es vns macht den garauß.

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