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1597–1639

Ein Anders.

Martin Opitz

Morgens eh's tages schein anbricht Mit Purpurfarbem hellem licht So glentzt herfür deins mundes röt Wie vor der Sonn die Morgenröt

Mit Rosinfarben Wangen Hübsch lustig klar auffgangen. Ein schön Karfuncklet hübsch gestirn Dein’ Euglin seind an demer Stirn:

Dein güldnes Haupt ist wohl formirt Wies Himmels runde schön geziert. Von deiner Euglein glitzen Fewerflammen rausher spritzen.

Recht wie die Straln vnd schnelle Pfeil Dieselben schiessen her in eil: Han mir versehrt mein junges Hertz Doch lindert sich der brünstig schmertz

Wan ich dein Antlitz schawe Huldseligste Jungfrawe. Grunest vnd blüest aller ding Gleich wie ein Lorbaum im Früling

Wie eine Tanne wechst gerad Dein werther leib in gleicher wad: Dein’ Arme beid seint eben Wie zwo newer Weinreben.

Ach daß was anrürn deine Hend In rote Röslein sein gewend Vnd weisse Lilglein wachsen fein Wo deine füß’ hin gangen sein:

Von deins Munds athem süsse Braun Violblüt entsprisse. Ruhm Preiß ehr vnd lob ich dir gib Für andern alln hertzlibstes lieb

Dein Tugent leucht an allem end Wie der vollmond am firmament: Bist aller Jungfrawn zirde Meins Hertzes inre Girde.

Edler ich schätz dein gunst vnd hold Dan Silber vnd das beste Gold: Dein Freundligkeit vnd schön geberd Ist mehr dan alle Perlen werth:

Es gilt dein zucht vil reine Mehr dan all’ Edle Steine. Trewhertzig sein ohn arge list Der Rechtenlieb warzeichen ist:

Wan gleicher maß nit liebest mich Laß zu daß ich nur liebe dich. Mein Hertz geb dir zu eigen All’ Augenblick dein indenck bin

In meim gemüt vnd in meim sin. Deß tag’s bist mir ein helle Son Deß nachts ein klarscheinender Mon: Thust (liebstes M.) mir geben

Von deinem glantz mein leben.

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