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1597–1639

Auff Herrn Sebastian Namßlers Hochzeit.

Martin Opitz

So offt ich bey mir selbst (wie ich zuthun dann pflege ) Der Liebe lauff vnd art mit allem fleiß erwege Befind ich allezeit daß jhre Tyranney Nur sey ein blosser Wahn vnd blinde Fantasey.

Die Venus ist die Zier der freundlichen Jungfrawen Damit sie prangen thun auff art der stoltzen Pfawen Damit sie vnser Hertz vnd Sinnen nehmen ein Darauß entspringen muß die bitter süsse Pein.

Sie brechen sich herauß: Ihr trachten vnd jhr sinnen Ist eintzig vnd allein wie sie vns fangen künnen Der Kopff vor Schmuck sich beugt die Stirne glantzt herfür Der Wein ist reiff vnd feil der Krantz hengt vor der Thür

Doch kan vns sonderlich der Augenglantz versehren Das wunderschöne Liecht thut allesampt bethören Die Augen sein die Straß die Augen sein der Steg Dadurch in vnser Hertz Cupido trifft den Weg.

Gantz schön vnd meisterlich die arge Damen wissen Die runden Kügelein jetz hin jetz her zuschissen Bald trucken sie sie zu bald werffen sie sie auff Biß endtlich wir gemacht den thewren Liebeskauff.

Da haben wir sie denn daß vnser standthafft Hertze Kunst Weißheit Lob vnd Ehr muß weichen solchem schertze Das Griechisch vnd Latein wirdt vns gar vnbekandt Für Plato nemen wir den Amadis zu Handt

Das kan ein Weibesbildt: Bald will sich der erhencken Vor vnerhörter Brunst bald will sich der ertrencken Der Thränen weite Bach auß beyden Augen quillt Voll seufstzen ist das Hertz: Das kan ein Weibesbildt.

O wie glückseelig ist Herr Breutigam das Leben In das jhr euch jetzt wolt mit ewrem Lieb begeben Ihr liebet ohne Forcht in wahrer Freundligkeit Ihr seyt von Liebes Pein gantz sicher vnd befreyt.

Wir müssen mit Gedult an Venuswagen ziehen Vnd vns bey Tag vnd Nacht mit jhrem Joch bemühen Wir sehen Angst vnd Noth jhr sehet Hülff vnd Rath; Was bey vns Hoffnung ist das wirdt bey euch die That.

Nun wohl: Gebrauchet euch der guten Zeit vnd Stunde Vnd heylet freundtlich zu die zarte Liebes Wunde. Cupido hat gesandt den Hymen allbereit Daß er der Jungfrawfchafft soll geben das Geleit.

Vnd jhr O schöne Braut wolt euch nur gern ergeben Es ist doch nicht zum Todt es ist viel mehr zum Leben. Wir aber lassen noch die süsse Wercke stehn Biß es vns dermal eins auch wirdt so wol ergehn.

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