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1597–1639

Auff die Melodey: Kehr vmb mein Seel rc.

Martin Opitz

Jetzt blicken auß des Himmels Saal Die güldne Sternen allzumahl Ich bin ohn Hoffnung gantz allein Ich wach vnd andre schlaffen ein.

Ihr Jungfraw lieget in der Ruh Vnd habet ewer äuglein zu Ihr blaset auß dem rothen Mundt Das süsse Gifft so mich verwundt.

Ihr dencket nicht an meine Noth Noch an den starcken Liebes-Gott Der mein betrübt Gemüth gebracht In ewer Hand vnd grosse Macht.

Ich lieg an ewrer tauben Thier Ob ich doch möchte kommen für Vnd ewren vnbewegten Sinn Durch meine Bitte legen hin.

Die Vögel so sonst fliegen ferr Die Fisch auch in dem wilden Meer Sindt sicher geben sich zu ruh Vnd nur ich thue kein Auge zu.

Die Thränen ruff ich Zeugen an Damit ich euch nicht zwingen kan Die Thränen so ich euch zu schandt Verlaß als meiner Liebe Pfandt.

Ein jeglich ding hat seine Zeit Wann es gefroren vnd geschneit Macht sich der Westwindt auff die Bahn Vnd legt der Erdt new Kleider an.

Das eine fellt das ander steht Wann Ph Tritt ab der Mond kompt er heran Muß Ph

Es hatt doch alles sein gebür Zwey dinge bleiben für vnd für Ewr harter Sinn vnd meine Pein Die müssen gantz vnendtlich sein.

Die vrsach ist mein standthafft Hertz Weil ich nicht mit der Liebe schertz Noch wie die Blumen mich verkehr So Boreas weht hin vnd her.

Ich bin kein Schifflein in der See Das nach des Windes Wellen geh Ich halt allein bey euch fest an Bey euch bleib ich sonst niergendt stahn.

Vnd diß ist Jungfraw meine schuldt Wohlan ich geh daß jhr nicht solt Euch vber mich beschweren sehr Ich will euch nicht bekümmern mehr.

Gehabt euch wol ich scheid jetzt ab Gehabt euch wol ich eil ins Grab Ach lasset doch mein Seelelein In ewren Schoß verwahret sein

Sonst wirdt sie Venus auff dem Wagen So hoch als Sonn vnd Monde tragen Sonst wirdt mein arme Seele stehn Wo jetzundt die Gestirn auffgehn.

Die Sternen in deß Himmels Feld So nächtlich leuchten aller Welt Die waren Buhler vor der Zeit Jetzt stehen sie von Noth befreyt.

Sie stehn vnd haben fleissig acht Was Pein vnd Leiden jhr mir macht Sie zeigens an der Venus Sohn Der euch wirdt geben rechten Lohn.

Der Liebe Schwestern Leyd vnd Frewd Sein auch alldar vnd samlen beyd In einen Krug die Thränen all Vnd setzen sie auff Venus Saal.

Die Namen Venus zeichnen lest In jhr Register wer das best Vnd meiste dann gelitten hier Wirdt andern dort gezogen für.

Die beste Stell bleibt wol für mich Weil ich jetzt sterbe williglich Da will ich stehen euch zu Spott Die jhr mich bringet zu dem Todt.

Jungfraw ich geh vnd laß allhier Die heissen Thränen vor der Thür Doch soll ich fort denckt doch vorhin Ob ich vmb euch den Todt verdien?

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