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1597–1639

An eine Jungfraw.

Martin Opitz

Vmb alles Gut vnd Gelt in diesem gantzen Lande Sag ich noch euch Jungfraw noch andern was zu schande Vnd wolte Warlich nicht daß jemandt sprechen solt Ich wolt jhn nur auß Haß verkleinern vnverschuldt

Ihr möget aber doch darneben künlich gleuben Daß ich ohn euch Gott lob wol werde leben bleiben Ich will derhalben auch mich nimmer vnderstehn Von wegen ewrer Huldt mit Lugen vmbzugehn

Diß alles laß ich euch die Hoffeleuth erzeigen Die sonsten zimlich hoch mit reden können steigen Die jedes Wort auffziehen mit sonderlichem schein Auff daß sie desto mehr in ewrer Gnade sein.

Sie thun wol einen Eydt doch nicht ohn heimlich lachen Daß ewer äugelein die Sonne finster machen Vnd daß sie Sternen sein am hellen Firmament Von denen Frewd vnd Leyd zu jhnen wirdt gewendt

Sie schwören hoch vnd thewr daß Gott euch außerlesen Vor aller Zierligkeit vor allem schönen Wesen Vnd sagen seelig sey das Jahr vnd denn die Zeit In der jhr grosse Zier der Welt geboren seit

Sie sprechen wol darbey daß jhr durch bloß anblicken Auch ein Gemüt von Stein vermöget zu entzücken Daß auß America die beste Specerey Mit ewrem Athem weit nicht zuvergleichen sey.

Daß schöner Hände nicht gemahlet werden künten Daß gegen jhnen Schnee zugleichen sey der Dinten Daß iedes Zänlin sey ein köstlicher Demant Das die Natur daran all jhre Kunst gewant.

Vnd daß die Lippen auch so als die Rosen blühen Weit sein den Edelsten Corallen vorzuziehen Das Haar (ich glaube nicht daß es von Hertzen kümpt) Ein jeglicher vor Golt vnd beste Perlen nimpt.

Sie setzen wol hinzu wann sie euch reden hören Daß auch ein jedes Wort jhr Hertze thu versehren Vnd daß der starcke Mars durch ewre Liebligkeit Die Waffen abzuthun euch würde sein bereit.

Geliebet euch hernach von Venus was zusingen Die Winde könnet jhr durch ewre Stimme zwingen Vnd wann jhr weiter auch euch zu der Lauten findt Ist Orpheus vngelehrt vnd gegen euch ein Kindt.

Wann jhr zu Felde kompt wohin man euch sicht gehen Da sicht man auch zugleich die schönsten Blumen stehen In summa die Natur hat diß an euch get han Daß ewre Treffligkeit kein Mensch beschreiben kan.

Wie möcht ich aber wol zuhören diesem allen Vnd auch vor Lachen nicht für meine Füsse fallen Ich glaube wer das Thun nur halb beschreiben wolt Er Feder vnd Papir auch schamroth machen solt.

Vnd was dann mich belangt bin ich gar nicht der Sinnen Daß ich so ewre Gunst verhoffte zugewinnen Mein Hertz ist auch noch nicht so trefflich sehr entzündt Daß ich jhm noch zur Zeit nicht widerstehen kündt.

Ich sage freylich wol vnd weiß es wahr zumachen Daß jhr gar rein vnd steiff bewahret ewre Sachen Vnd daß jhr sehr viel sein voll Hoffart stoltz vnd pracht Die jhr gar weißlich doch nicht sonders habt in acht.

Daß ich euch aber auch vor Göttlich solt erkennen Man möcht es förcht ich nur wol Träum vnd Lügen nennen In ewrem Leichnam lebt zwar alle Zierligkeit Doch auch nicht wenig ist dem Himmel trefflich weit.

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