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1618

49. Am 12. Sontag nach TrinitatisAuff den 65. Psalm

Martin Opitz

Zu Gott wir setzen ein Vertrauen, Durch Christum nur allein: Wir dürffen auff uns selbst nicht bauen, Von ihm muß alles seyn,

Von ihm entspringet, was wir haben; Es gibt uns unser Gott Deß Geistes lebenreiche Gaben, Der Buchstab ist nur todt.

Zwar das Gesetze, so in Steine Zuvor geschrieben stund, Kam auch herfür, mit Pracht und Scheine, Bewegte Berg und Grund,

Deß grossen Moses sein Gesichte War also hell und klar, Daß es für Stralen, Glantz und Liechte Nicht anzuschauen war.

Doch geht deß Geistes schöne Sonne Dem Satzungampte für, Scheint uns mit ungewölckter Wonne, Und breitet seine Zier;

Denn das Gesetze zeigt mit Zagen, Auff die Verdamnüßzeit; Der Gnadengeist pflegt anzusagen Trost, Heyl und Herrlichkeit.

Sie sind einander nicht zu gleichen, Gesetz und Geistes-Zier; Der zweyer Tafeln Schein muß weichen, Die Gnade gläntzt ihm für.

Hat jenes Ampt sehr hohe Gaben, Das auffhört und vergeht, Was wird nicht diß für Klarheit haben, Das ewig bleibt und steht?

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